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Kultur im Norden „Das Unbeschreibliche, hier ist es getan“
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22:10 20.08.2018
Wotersen

„Mozart hätte den Faust komponieren müssen“, hat Goethe 1829 zu Eckermann gesagt. Aber da war Mozart schon mehr als 38 Jahre tot. Der Schauspieler Klaus-Maria Brandauer sitzt vor dem Orchester an einem schlichten Tisch und beginnt den Abend mit Goethes Überlegungen. „Die Musik müsste im Charakter des Don Juan sein“, hat der Meister gesagt.

Das ist Robert Schumanns Musik nicht. Zu einzelnen Szenen hat der Komponist im Laufe von neun Jahren Musik geschaffen, mit den bekannten Szenen im Garten und im Dom beginnt das musikalische Feuerwerk in der MuK. Mehr als 280 Künstler sind auf der Bühne: der Flensburger Bach-Chor und der Symphonische Chor Hamburg, zwölf Solisten und das dänische Symphonieorchester Südjütlands – sie alle werden hochkonzentriert und doch mit Leichtigkeit geführt vom Flensburger Dirigenten Matthias Janz. Was für eine Wucht, wenn der Chor in der nächtlichen Domszene einsetzt, ganz zart gestaltet er die Szene „Sonnenaufgang“. Auch die Solisten geben in den vielen unterschiedlichen Rollen ihr Bestes – die Akustik lässt allerdings auf den Rängen zum Bedauern vieler Besucher zu wünschen übrig.

Dass dieser Abend zu einem Höhepunkte des SHMF wird, liegt vor allem auch an Klaus-Maria Brandauer, der die musikalischen Szenen mit Zitaten von Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, René Char, Friedrich Nietzsche und von Robert Schumann zu einem großen Ganzen verwebt. Er selbst hat die Texte herausgesucht. Sie illustrieren die musikalischen Abteilungen, etwa wenn Schumann von seinen seelischen Qualen und Todesängsten berichtet – korrespondierend zur mitternächtlichen Szene, in der Faust von der Sorge heimgesucht wird. Brandauer liest nicht, er ist in diesem Moment Schumann-Faust, winselt, schmeichelt, kreischt und flüstert. Und während dann wieder die Musik spielt, hält er die Spannung, bleibt konzentriert in seiner Rolle, ist den ganzen Abend lang mit Stimme und Körper ein Teil des Orchesters. Bis zum furiosen Finale, in dem Chor und Solisten schmettern: „Das Unbeschreibliche, hier ist es getan“. Das passt auch auf diesen Konzertabend. Ein bisschen schade, dass man die Texte nicht den Autoren zuordnen konnte. Da er bis zum Schluss daran gearbeitet habe, konnte man sie nicht ins Programmheft aufnehmen, sagt SHMF-Chefdramaturg Frank Siebert. Aber es sei Brandauer auch nicht auf einzelne Zitate angekommen, sondern auf den inhaltlichen Bogen. Den hat er großartig gespannt – der Beifall für alle ist überwältigend.

Musikalische Sterne in der heißen Reithalle

Es ist selten, dass sich Weltstars wie Albrecht Mayer so zurückhaltend geben. Mayer überließ seinem Partner, dem aus Moskau stammenden und in Israel aufgewachsenen Pianisten Boris Giltburg, viel Zeit auf dem Podium für Solo-Darbietungen. Schon die erste, Beethovens „Mondscheinsonate“, zeigte die technische Perfektion und die Musikalität des jungen Pianisten. Den ersten Satz nahm Giltburg mit dem Mut zum ganz großen Sentiment, vielleicht kam er mit dieser hart an der Grenze zum Kitsch angesiedelten Interpretation den Intentionen des Komponisten sehr nahe. Der letzte Satz erklang unruhig und wie gehetzt – schon allein dieser Kontrast war reizvoll.

Zuvor hatte Albrecht Mayer Lieder von Robert Schumann, gesetzt für Oboe und Klavier, gespielt, mit wunderbar wandlungsfähigem Ton und mit feinsten dynamischen Abstufungen. Auch Louis Klemckes Fantasie über Donizettis Oper „Linda di Chamounix“adelten die beiden Musiker und erhoben sie über die Niederungen der reinen Virtuosenmusik.

Nach der Pause dann noch drei Werke von Schumann. Boris Giltburg spielte das Frühwerk „Papillons“, ein Dutzend reizender Miniaturen, in denen der Pianist sein stilistisches Können aufblitzen ließ.

Mit Albrecht Mayer erklangen dann noch Schumanns Romanzen für Oboe und Klavier sowie die drei Fantasiestücke für diese Besetzung. Traumhaft sicheres Zusammenspiel zeichnete die Musiker aus, trotz der fast tropischen Hitze in der Reithalle schienen sie Freude am gemeinsamen Musizieren zu empfinden. Das Publikum war begeistert und erklatschte sich eine Zugabe. Fel

Letzte Konzerte und Verlosung für Beethovens Neunte

Für diese Konzerte gibt es noch Karten:

Pronstorf, morgen, Kuhstall, Nicholas Angelich, Klavier, und die Festival Strings Lucerne

Rellingen, 23. August, Werke von Schumann

Kiel, 24. August, Schloss, Daniil Trifonov, Klavier Werke von Schumann, Grieg, Chopin, Rachmaninoff

Lübeck, 25. August, MuK, Janine Jansen, Violine, Camerata Salzburg.

Für das Abschlusskonzert am Sonnabend, 25. August, in der Sparkassen- Arena Kiel verlosen das SHMF und die Lübecker Nachrichten drei mal zwei Karten. Dabei handelt es sich um exklusive Konzerttickets für LN-Leser, die nicht im regulären Verkauf erhältlich sind. Anlässlich von Leonard Bernsteins 100. Geburtstag präsentieren Justus Frantz, seine Philharmonie der Nationen, ein Solistenensemble und der Festivalchor Beethovens 9. Sinfonie. Das Konzert beginnt um 20 Uhr. Die Karten müssen spätestens eine halbe Stunde vor Konzertbeginn an der Abendkasse abgeholt werden.

Schreiben Sie bis Mittwoch eine Email an

heimat@ln-luebeck. Bitte Adresse und Telefonnummer nicht vergessen!

Petra Haase

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