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Das Wasser und die Kunst

Lübeck Das Wasser und die Kunst

3000 Liter passen in das große Becken des Lübecker Wasser Marionetten Theaters, und es ist schon viel herumgekommen in der Welt. Jetzt hat es einen neuen festen Platz, in Lübeck in der Kanalstraße. Und einen neuen Verein rund um das Theater gibt es auch noch.

Lübeck. Wasserkunst e. V. heißt er und trägt weiter, was von Wolf Malten und seiner Frau Simone Frömming einst ins Leben gerufen wurde. 1993 haben sie das Wasser Marionetten Theater gegründet, das erste und bis heute einzige weltweit. Sie haben in Lübeck und andernorts in Deutschland gespielt, sind aber mit ihren Programmen und bis zu zwölf Tonnen Material auch durch Italien und Skandinavien gereist, durch die Sowjetunion, das Baltikum, durch Frankreich. Im Jahr 2000 bei der Expo waren sie fünf Monate in Hannover.

Vor dreieinhalb Jahren ist Simone Frömming gestorben, Wolf Malten stand alleine da. Er hat versucht, die Arbeit mit neuen Kollegen fortzusetzen, aber es funktionierte nicht. Es war nicht dasselbe und die Zukunft des Theaters offen. Jetzt ist sie gesichert, als Teil des neuen Vereins Wasserkunst.

Es gibt ihn seit Anfang des Jahres, und seither sind sie auch in ihren neuen Räumen in der Kanalstraße. Nach Stationen im Naturhistorischen Museum und im Börsensaal des Rathauses waren sie zuletzt auf dem LMG-Gelände in der Einsiedelstraße. Jetzt haben sie hier ausreichend Platz. „Es war ein totaler Glücksfall“, sagt Wolf Malten, denn eigentlich waren sie nur auf der Suche nach einer Möglichkeit, ihre Theatertechnik unterzustellen. Dann konnten sie komplett hier auf die Altstadtinsel ziehen, in die Räume eines ehemaligen Baumarktes, und mit dem Verein auch gleich ein neues Kapitel aufschlagen.

Wasserkunst e. V. setzt sich aus sieben Personen im Vorstand und weiteren Mitgliedern zusammen. Das Wasser Marionetten Theater, dessen Bestände Wolf Malten dem Verein überlassen hat, ist nur ein Teil des Programms. Daneben gibt es mit dem Projekt „Tauchgang“ den pädagogischen Bereich, wo mit Schulkindern gearbeitet wird. Sie bauen aus Stoff, Holz, Muscheln, Bechern und was sich sonst noch in den vielen Materialkisten findet Theaterfiguren und spielen mit ihnen anschließend im großen Wasserbecken. Das ist der Schwerpunkt des Vereins. Außerdem gibt es die Wasserwochen, bei denen die Theaterleute wie etwa im kommenden Jahr nach Walsrode fahren und auf Einladung der dortigen Stadtwerke Böhmetal ein Programm anbieten. In den neuen Räumen können aber auch andere Veranstaltungen mit Bezug zum Wasser stattfinden.

Kern der Aktivitäten sind Wolf Malten und seine zweite Frau Anna. Er stammt aus Hamburg, ist Musiker und ausgebildet im Figurenbau und Puppenspiel, versteht sich auf Licht- und Veranstaltungstechnik und hat auch einen Studiengang hinter sich. Anna Malten stammt aus Ratzeburg, hat an der Lübecker Werkkunstschule Grafikdesign studiert, ist Malerin, Märchenerzählerin und seit 2014 beim Wasser Marionetten Theater. Sie ergänzen sich in ihren Fähigkeiten, schreiben die Stücke zusammen und holen sich je nach Projekt Kollegen hinzu.

Als die Tourneen wegfielen, wurde es schwierig. Mit ihnen wurde das Geld verdient, während der Spielbetrieb in Lübeck meist auf plus/minus null hinauslief. Jetzt bemühen sie sich um Fördermittel und werden beim „Tauchgang“ auch schon von der Haukohl- und der Possehl-Stiftung unterstützt.

Bei der Theaternacht vor zwei Wochen hatten sie Premiere. Sie haben Szenen aus dem aktuellen Stück „H2Upps“ gespielt, einer Geschichte über die Reise eines kleinen Wassertropfens. Es gab vier Vorstellungen, und jedesmal reichten die 40 Plätze nicht aus. Künftig werden sie nicht mehr so häufig auftreten wie früher, wo es in der Einsiedelstraße zwar ausverkaufte Vorstellungen gab, aber eben auch solche mit nur sehr wenigen Besuchern. Das lässt Raum für andere Aktivitäten, für ihr gemeinsames Puppenspiel etwa, für Wolf Maltens Musik mit seiner Band Mr Finnlay und für Anna Maltens Märchen und die Malerei. Und es macht einfach mehr Spaß, vor vollen Reihen zu spielen. Manchmal auch vor Leuten, die eigens aus Skandinavien angereist kommen.

Von Peter Intelmann

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