Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Das Wunder von der Beckergrube

Lübeck Das Wunder von der Beckergrube

Das Theater Lübeck kann nach zwei Dritteln der Spielzeit einen geradezu sensationellen Erfolg vermelden: Im Haus an der Beckergrube sind so gut wie alle Vorstellungen ausverkauft, die Einnahmen aus dem Kartenverkauf sind stark angestiegen.

Volles Haus! Stolze Zwischenbilanz des Theaters Lübeck: Mehr Zuschauer denn je, ein Plus von 300 000 Euro beim Kartenverkauf.

Quelle: Malzahn

Lübeck.  „Wir haben im Moment etwa 9000 Eintrittskarten mehr verkauft als zum selben Zeitpunkt im Vorjahr“, kann Christian Schwandt, Geschäftsführender Theaterdirektor, vermelden.

3,26 Millionen Euro betragen die Eigeneinnahmen aus Eintrittsgeldern und Spenden. In der Spielzeit 2014/15 besuchten 178000 Zuschauer die Aufführungen, in der Spielzeit 2015/16 waren es 172000 Zuschauer.

10 Millionen Euro pro Jahr erhält das Theater Lübeck vom Land Schleswig-Holstein, von der Stadt kommen rund 8 Millionen.

„Schauspiel und Musiktheater laufen so gut, dass wir den Umsatz, den wir in der Saison 2015/16 erzielten, in der laufenden Spielzeit bereits am 1. März übertroffen haben“, sagt Schwandt. Er prognostiziert ein Umsatzplus von 300000 Euro für die Saison, die noch bis Mitte Juli läuft. Das entspricht einer Steigerung von zehn Prozent.

Diese Entwicklung ist umso erstaunlicher, als das Theater durch die Sperrung des Konzertsaals in der Musik- und Kongresshalle Einbußen bei den Sinfoniekonzerten hinnehmen musste. Laut Schwandt wurden durch die Verlegung von sieben Auftritten des Orchesters in die Rotunde 150000 Euro weniger eingenommen.

„Ein Dutzend Opern- und Schauspiel-Produktionen sind fast immer ausverkauft“, sagt Christian Schwandt. Große Erfolge sind die „West Side Story“, aber auch das Bernstein-Oratorium „Mass“, natürlich „Sunset Boulevard“ mit Gitte Hænning, das Bob-Dylan-Konzert, die Kinder-Produktionen „Zarina auf dem Zeitstrahl“ und „Marzipanpiraten“. Für das Comedian- Harmonists-Stück „In der Bar zum Krokodil“

ist es so schwer Karten zu bekommen wie für die Dramatisierung von Günter Grass’ „Blechtrommel“. Das Studio-Schauspiel „Szenen einer Ehe“ war bei allen 50 Vorstellungen ausverkauft. Und „Monty Python’s Spamalot“ ist noch gar nicht angelaufen. Man muss kein Prophet sein, um dieser Produktion einen großen Erfolg vorherzusagen. Premiere ist am 6. Mai, „doch die ersten beiden Vorstellungen sind schon jetzt restlos ausverkauft“, verrät Schwandt.

Joachim Benclowitz, als Geschäftsführer des Landesverbands Nord des Deutschen Bühnenvereins zuständig für Bremen, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, attestiert dem Lübecker Theater: „Es hat publikumswirksame Impulse gesetzte, vor allem in der Zusammenarbeit mit dem Theater Kiel. Die Ballett-Abende der Kieler Compagnie sind in Lübeck ja offenbar immer ausverkauft.“ Das sei ein Moment des Erfolgs. Ein anderer: „Es werden für das Publikum in der Region interessante Schwerpunkte geboten.“ Das Team um Christian Schwandt habe es verstanden, „dem Publikum künstlerische Angebote zu machen, die für alle Schichten und alle Generationen interessant sind“, lobt Benclowitz als Vertreter der Theater-Dachorganisation. Dazu zählt er Projekte wie die Comic- Oper „Reise nach Reims“, ebenfalls eine Koproduktion mit Kiel.

„Man muss ständig ein Feuerwerk abbrennen“, benennt Christian Schwandt das Erfolgsrezept seines Hauses. Und was geschieht mit den Mehreinnahmen? „Damit können wir endlich die Mehrkosten durch die Tariferhöhungen von 2014 richtig ausgleichen.“ Diese Personalkostenerhöhung führte an anderen Häusern dazu, dass am Programm gespart wurde. Lübeck hat das nicht getan – und wurde dafür belohnt. Das Theater konnte auch Besucher aus Hamburg und Rostock nach Lübeck locken.

Joachim Benclowitz vom Bühnenverein weiß: „Die Tariferhöhungen im Öffentlichen Dienst sind für alle Theater ein riesiges Problem.“ Aber: „Man kann nicht wirklich gegen die gelegentliche Erhöhung der bescheidenen Gagen sein, die da bezahlt werden. Die Arbeitsplätze in der Technik und dem künstlerischen Bereich müssen attraktiv bleiben.“ Deshalb müssten die Rechtsträger – Stadt und Land – verhindern, dass Tariferhöhungen eine künstlerische Abwärtsspirale in Gang setzen, „was leider schon an einzelnen Standorten andernorts zu beobachten ist“. Sie sollten die Bühne solide finanzieren.

Fürchtet die Lübecker Theaterleitung nicht, dass nun Begehrlichkeiten laut werden? Forderungen, die Zuschüsse aus Stadt und Land zu reduzieren, gab es immer wieder. Zuletzt scheiterte allerdings Bürgermeister Bernd Saxe mit seinem Plan, dem Theater 800000 Euro zu kürzen. „Es gibt kein Theater ohne Alltagsärger“, winkt Christian Schwandt ab. „Wenn man diesen Ärger unter zwei Stunden pro Tag halten kann, dann ist man ein glücklicher Mensch.“ Die Bürgerschaft habe sich in den Haushaltsberatungen zum Theater Lübeck bekannt. Deshalb sind Schwandts Sorgen in dieser Hinsicht nicht allzu groß.

 Michael Berger

Voriger Artikel
Nächster Artikel