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Das deutsche Gesicht der Berlinale

Berlin Das deutsche Gesicht der Berlinale

Hart an der Realität: Der deutsche Film „24 Wochen“ über eine schwierige Schwangerschaft hinterlässt Eindruck im Wettbewerb.

Kuscheln mit Tochter: Astrid (Julia Jentsch) erwartet ihr zweites Kind, es wird mit einem Down-Syndrom geboren werden.

Quelle: Friede Clausz/zero one film

Berlin. So lange ist es noch nicht her, da zog es deutsche Regisseure wenig zur Berlinale. Aus gutem Grund: Die Urteile über ihre Filme fielen oftmals vernichtend aus.

Dann kam Festivalchef Dieter Kosslick. Seit 2002 pflegt er eine demonstrative Willkommenskultur für einheimische Talente. Drei oder gar vier Filme liefen in manchem Jahr im Wettbewerb.

Aktuell aber hat es nur ein einziger deutscher Film ins exklusive Berlinale-Schaufenster geschafft: „24 Wochen“ von Anne Zohra Berrached, ihr Abschlussfilm an der Filmhochschule Ludwigsburg, produziert für „Kleines Fernsehspiel“ im ZDF. Gewaltiger Druck lastete folglich auf den Schultern der 1982 in Erfurt geborenen Regisseurin, die bei der Berlinale 2013 mit dem Drama „Zwei Mütter“ über ein lesbisches Paar mit Kinderwunsch Meriten erwarb.

Kalt ließ Berracheds Film bei der aktuellen Berlinale-Premiere wohl kaum jemanden, darauf ließen viele Gesichter nach der Mittagsvorstellung schließen. Wie sollte es auch anders sein, wenn in Nahaufnahme die Spritze zu sehen ist, mit der ein Arzt ein Embryo im Mutterbauch zu töten beabsichtigt?

Astrids Kind hat nicht nur das Down-Syndrom — das hätten sie und ihr Freund mit mütterlichem Beistand noch akzeptiert. So ein „Downie“ — Eltern dürfen das so sagen — ist doch ein besonders liebenswertes Geschöpf. Doch dann wird auch noch ein schwerer Herzfehler beim Kind diagnostiziert. Astrid (Julia Jentsch) und Markus (Bjarne Mädel, der „Tatort-Reiniger“) müssen sich entscheiden. Das heißt: Laut Gesetz muss sich die Mutter entscheiden. Der Fernsehkabarettistin Astrid fällt dies umso schwerer, als sie unter öffentlicher Beobachtung steht.

Mit geradezu akribischer Präzision wird Astrids Leidensweg abgearbeitet, so als hätte die Regisseurin eine Merkliste vor Augen gehabt. Beratungsstellen, Behindertengruppe, Psychologen, Frühchenstation, Spezialisten werden abgehakt, manche Ärzte spielen sich selbst. Dazu gesellen sich Zerwürfnisse zwischen dem eben noch so glücklichen Paar.

Viel näher an der Wirklichkeit geht es kaum, aber der Anspruch auf Rundum-Abhandlung verhindert auch, einen kleinen Film zu einem großen werden zu lassen. Poetische Aufnahmen vom werdenden Leben im Mutterleib reichen nicht wirklich als Gegengewicht, überzeugender ist das Spiel von Julia Jentsch, die ihre Qual bis hin zum beinahe lautlosen Schrei fein abstuft. Jentsch hat in der Rolle von Sophie Scholl schon einmal den Darsteller-Bären gewonnen.

Es gab im Vorfeld der Berlinale Diskussionen darüber, ob ein Hochschulabschlussfilm wie der von Anne Zohra Berrached im Wettbewerb bestehen kann angesichts der hohen Qualität der konkurrierenden Filme. Angesichts von „24 Wochen“ sind Vorbehalte jedoch nicht gerechtfertigt. Man muss den Festivalmachern um Dieter Kosslick zugestehen: Sie haben den richtigen Film gefunden, einen Film, der sein Publikum so ergreift wie bislang kein anderer im Wettbewerb und über den auch nach dieser Berlinale noch gesprochen werden wird.

Die Frage aber bleibt: Wieso hat sich unter den rund 150 Langfilmen, die in Deutschland jährlich entstehen, nur dieser eine angeboten? Die Produzenten zum Beispiel von Tom Tykwers Komödie „Hologramm für den König“ mit Tom Hanks hatten offenbar andere Pläne. Doris Dörries Drama „Grüße aus Fukushima“ über eine reichlich naive Katastrophenhelferin im japanischen Sperrgebiet sah die Festivalleitung lieber in einer Nebenreihe (siehe LN vom vergangenen Sonntag). Mit dem „Tagebuch der Anne Frank“ von Hans Steinbichler wollte Festivalchef Kosslick junge Zuschauer in der „Generationen“-Reihe bekannt machen. Und so viel mehr an aktuellen Filmen war wohl nicht zu holen.

Stefan Stosch

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