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Das freche Rotkäppchen und der Sex

Lübeck Das freche Rotkäppchen und der Sex

Der eine streichelt Rotkäppchen, das findet sie schön. Und der andere jagt sie, das findet sie aber auch schön.

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Künstlerin Cordula Nossek spielt Wolf und Mädchen.

Quelle: Roeßler

Lübeck. Der eine streichelt Rotkäppchen, das findet sie schön. Und der andere jagt sie, das findet sie aber auch schön. Soll sie sich für den bösen Wolf oder lieber für den zarten Jäger (der hier eigentlich ein Bär ist) entscheiden? Die Figurenspielerin Cordula Nossek geht mit dem Grimm-Märchen wortwörtlich ins Bett. Das Ergebnis ist ein kurzweiliges und unglaublich witziges Stück, mit dem die Wahl-Wienerin beim Figurentheaterfestival in Lübeck begeisterte.

Der Titel warnt die Zuschauer eigentlich vor: „Was Rotkäppchen schon immer über Sex wissen wollte.“ Doch dass eine entblößte Rotkäppchenpuppe mit dem Wolf (dessen imposanter Anblick dem Püppchen ein erstauntes „Wow“ entlockt) auf der Puppenbühne wirklich intim werden, damit hat vielleicht doch nicht jeder gerechnet. Dann fragt sie: „Du Wolf, darf ich auch mal oben liegen?“ Doch trotz frivoler Szenen übertritt Nossek nie die Grenze zum Vulgären. Ihre spritzige Spielfreude gepaart mit vollem Körpereinsatz fasziniert von der ersten Minute an. Sie spielt mit ihren Händen, mit Stabpuppen und schlüpft auch selbst in die Rolle des 15-jährigen Rotkäppchens, wenn sie das Märchen kichernd aus einem Buch vorliest. Aus der Phantasie der Vorleserin entspinnt sich eine wilde Geschichte über Liebe, Romantik und Sexualität. Ihre Bühne ist ein senkrechtes Bett, das sich wahlweise auch in einen Märchenwald verwandelt.

Nossek entwickelte das Stück vor 25 Jahren ursprünglich für Jugendliche. „Ich musste früher viel Zeit auf der Kirchenbank verbringen – das musste alles mal raus“, kommentiert die 50-Jährige fröhlich.

Auch das Lübecker Publikum amüsierte sich prächtig. „Schließlich steckt in jedem Mann ein Wolf – und auch in jeder Frau.“

Beim 4. Figurentheaterfestival gastieren internationale Puppenspieler. Heute werden Fantasien zu dem Maler Paul Klee gezeigt und morgen das Stück „Prinz Hamlet“ (jeweils 19.30 Uhr).

ar

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