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Das große Wagner-Bilderbuch

Kiel Das große Wagner-Bilderbuch

Daniel Karasek bietet am Kieler Opernhaus eine brave Nacherzählung der „Walküre“.

Kiel. Der Kieler Intendant Daniel Karasek hat seine Inszenierung von Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ fortgesetzt — besser gesagt: konsequent fortgesetzt. Denn wie schon im „Rheingold“ setzt Karasek wieder auf die Macht der Bilder, zeigt auf der Bühne eine bloße Nacherzählung der kruden Geschichte und verzichtet auf jeden Versuch einer Ausdeutung des Stoffes. Dem Kieler Premierenpublikum gefiel diese Sicht auf Wagner bei der Premiere am Sonnabend ausnehmend gut, wenngleich sich Karasek beim Schlussapplaus einige Buhs gefallen lassen musste.

Der ästhetische Reiz der Inszenierung ist wieder durchaus hoch. Hundings Hütte ist ein mit echtem deutschen Eichenfurnier ausgekleideter Wohnraum mit Kamin und 50er-Jahre-Sesseln (Bühne: Norbert Ziemann, Kostüme: Claudia Spielmann). Bis man in diesem Etablissement ankommt, muss man in einem Video von Konrad Kästner durch einen wüsten Winterwald rasen, der mehr chaotisch als unheimlich wirkt — die Videos im „Rheingold“ waren ausdrucksstärker.

Im Wirtschaftswunder-Habitat lässt Karasek die Begegnung von Siegmund (nach anfänglichen Intonationsproblemen sehr stark: Bryan Register) und Sieglinde (stimmlich wunderbar: Agnieszka Hauzer) spielen. Karasek führt sein Personal sehr konventionell, echte Spannung kommt hierbei nicht auf, erotische Aufladung schon gar nicht. Dem bösartigen Hunding (unheimlich und widerwärtig: Timo Riihonen) nimmt man seine Rolle noch am ehesten ab.

Im zweiten Aufzug begegnet man Wotan (herausragend in jeder Beziehung: Thomas Hall) und seiner Lieblingstochter Brünnhilde in einem Designer-Badezimmer. Diese Brünnhilde wird von Jane Dutton mit Kraft verkörpert, stimmlich steigert sie sich nach anfänglichen Problemen. In die Ankleidezeremonie platzt die erbitterte Fricka (herrlich bissig: Alexandra Petersamer) und stellt ihren untreuen Mann zur Rede. Das ist bis dahin die beste Szene dieser Aufführung, es sprühen die Funken, und die Endzeitstimmung, die über Walhall liegt, wird greifbar. Auch der Zweikampf von Siegmund und Hunding, den Wotan entscheidet, ist dann wieder eher belanglos gezeichnet.

In Sachen Bühnenbild geht es erst im dritten Aufzug wirklich zur Sache. Die Walküren kommen mit einem Schwarm von (Video-) Kampfflugzeugen auf die Bühne, die ein Leichenschauhaus mit angeschlossenem Krematorium zeigt. Eiskalt ist diese Umgebung, in der die toten Helden gescannt und der weiteren Verarbeitung zugeführt werden. Das passt. Und in dieser Umgebung findet dann auch die Auseinandersetzung zwischen Wotan und Brünnhilde statt, die sängerisch ansprechend gelingt, aber szenisch wenig bietet außer einer großen Zahl von Kniefällen. Der finale Feuerzauber entschädigt dann dafür.

Das Orchester unter Georg Fritzsch begann sehr zügig, fand aber schnell zu einem tragenden und ausgewogenen Wagner-Ton. Weniger Lautstärke wäre an einigen Stellen wünschenswert gewesen, insgesamt befriedigte die Orchesterleistung.

Nächste Aufführungen: 25. März sowie 3. und 23. April.

Von Jürgen Feldhoff

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