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Das merkwürdige Ende von a-ha

Lübeck Das merkwürdige Ende von a-ha

Der Sänger mag nicht mehr, aber die norwegische Band dementiert das endgültige Aus.

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Lässig, cool — und von 10000 Fans gefeiert: Die norwegische Band a-ha mit ihrem Sänger Morten Harket bei ihrem Konzert in Hamburg.

Quelle: Fotos: Jazzarchiv (1), Dpa

Lübeck. Lübeck. „Stay on these Roads“ heißt einer ihrer bekanntesten Songs, eine ganze Platte gar, aber das ist natürlich für Musiker eine heikle Empfehlung. Sie selbst sind auf der Straße geblieben, jahrzehntelang. Und wo schon zahllose Bands vor ihnen an zu viel Nähe und zu viel vom immer Gleichen zerbrochen sind, wo manchmal nur noch Hass und Geld alles zusammenhielten und selbst Punk-Rabauken wie die Ramones völlig zerstritten waren, da hat es irgendwann auch a-ha erwischt. 1982 haben sie sich gegründet, jetzt werden sie womöglich am 7. Mai ihr letztes Konzert geben. Zu Hause in Norwegen, in Bergen, der regenreichsten Stadt Europas.

LN-Bild

Der Sänger mag nicht mehr, aber die norwegische Band dementiert das endgültige Aus.

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Momentan aber sind sie noch unterwegs, dieser Tage in Deutschland. Am Donnerstag waren sie in Hamburg, heute spielen sie in Bremen, morgen in Hannover. Und überall stehen drei Männer auf der Bühne, die inzwischen in den Fünfzigern angekommen sind. Und vor ihnen stehen Tausende ungefähr im gleichen Alter und warten darauf, dass die Drei da oben noch einmal ihre Jugend beleuchten.

Das haben sie getan, über Jahre und verlässlich. a-ha lieferte einen makellosen Soundtrack für die frühen Jahre, glatt und immer anständig poliert. Eine Musik, die ohne Risiken und Nebenwirkungen aus dem Radio im Golf Cabrio perlte und die Welt mit Miami-Vice-Farben zu belegen schien. a-ha waren Pop in seiner klarsten Form. Sie hielten sich an die Gesetze und Reinheitsgebote der massentauglichen Musik des späten 20. Jahrhunderts, und sie waren damit überaus erfolgreich. Mehr als 80 Millionen verkaufte Alben, gefeierte Tourneen rund um die Erde — es war alles ein großes norwegisches PopMärchen. Jetzt aber scheint es an sein Ende zu kommen.

„Das Kapitel a-ha ist für mich ohnehin abgeschlossen“, sagte Sänger Morten Harket (56) jüngst der Schweizer Zeitung „Blick“. „Nach dieser Tournee ist wohl endgültig Schluss. Wir drei sind uns einfach nicht mehr nah genug, um neue Platten zu produzieren, dauernd um die Welt zu reisen und Konzerte zu geben.“ Es müsse ihn „als spirituellen Menschen erfüllen, und das tut es nicht mehr. Vielleicht nutzte sich das Ganze auch einfach nur ab in den letzten 30 Jahren.“

Am Mittwoch beim Konzert vor 115000 Zuschauern in Berlin war das auch zu beobachten. Harket sei über die Bühne gelaufen wie jemand, der sein Auto sucht , schrieb die „Berliner Morgenpost“. Und die Deutsche Presse-Agentur befand: „Die Drei, so schien es, haben sich tatsächlich nicht mehr viel zu sagen.“ Tags darauf waren sie in Hamburg, 10000 Menschen in der Barclaycard-Arena, und auch da meinte die örtliche „Morgenpost“: „Irgendwie merkt man den Mittfünfzigern an, dass sie sich nicht wirklich leiden können.“

Das war mal anders, als sie 1982 mit Anfang zwanzig die Band gründeten. Pal Waaktaar-Savoy, Magne Furuholmen, der etwas später hinzugestoßene Morten Harket, drei junge Männer aus Norwegen, das bisher nicht eben als Pop-Hochburg aufgefallen war. Aber sie schufen einen Sound, so süß wie Zuckerwatte und wohl auch so nahrhaft, Melodien für Millionen, perfekt und wohltemperiert und mit Harkets Stimme mittendrin, die einen immer wieder daran erinnerte: Der Name dieser Band ist a-ha. Vor gut 30 Jahren hoben sie ab, „Take on me“ hieß der Song, der sie in andere Umlaufbahnen katapultierte. Trotzdem verloren sie sich in den Neunzigerjahren etwas aus den Augen, fanden sich im Jahr 2000 zu einem Comeback zusammen, und lösten sich 2010 trotzdem auf.

Im vorigen Jahr aber waren sie plötzlich wieder da. Sie veröffentlichten mit „Cast in Steel“ ein neues Album und gingen auf Tournee. Auf ihre letzte, wie sich jetzt herausstellt, auch wenn man bei letzten Tourneen vorsichtig sein sollte. Abschiede im Pop dauern manchmal lang und werden wieder und wieder geübt. Guns N‘ Roses haben das gerade noch mal demonstriert.

Und auch bei a-ha weiß man nicht, was man von Harkets Schluss-Satz halten soll. Kurz nach dem „Blick“-Interview erklärte die Band: „Nichts daran entspricht der Wahrheit, aber wir entschuldigen das Missverständnis.“ Harket habe betont, dass es zwar keine neuen Pläne mit der Band gebe, aber das bedeute nicht, a-ha sei Geschichte.

Herr Beckenbauer, was sagen Sie dazu? „Schau‘n mer mal.“

Vom ersten Hit nur 300 Exemplare

1985 hatte a-ha den ersten Hit. „Take on me“ hieß er, und wenn man der Band folgt, dann wurde er schon 1984 veröffentlicht, aber nur 300 Mal verkauft, und versandete irgendwo in den Untiefen der Charts. Das sollte sich bald ändern, und das lag vor allem an dem Video zum Song. 1985 startete „Take on me“ in England auf Platz 2. Weltweit wurden acht Millionen Exemplare verkauft.

Danach reihte a-ha einen Erfolg an den anderen. „Hunting High and Low“, „The Sun always shines on TV“, „Cryin‘ in the Rain“ , „The Living Daylights“ als Titelstück zu einem James-Bond-Film — die Band wurde zu einer festen Größe im Pop und verkaufte bisher mehr als 80 Millionen Platten.

Von Peter Intelmann

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