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Kultur im Norden Das nationale Kulturerbe Frankreichs
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18:15 20.07.2016
„Au revoir heißt nicht adieu“: Mireille Mathieu im vergangenen Jahr bei einem Festival-Auftritt im Libanon. Quelle: Wael Hamzeh/dpa

. Schwarzer Pagenkopf, porzellanweißer Teint und rot geschminkte Lippen: So steht Mireille Mathieu seit fünf Jahrzehnten auf der Bühne.

Auch die kraftvolle und glockenhelle Stimme der kleinen Französin – angeblich ist sie 153 Zentimeter groß – hat sich nach über 1000 Liedern nicht verändert. Und fast in jedem singt sie von Liebe, Leid und Sehnsucht. Mathieu, die morgen 70 Jahre alt wird, hat jeden Musiktrend überlebt. Sogar die amerikanische Popsängerin Lady Gaga würde gern einmal mit der Französin gemeinsam singen.

In einer sich immer schneller verändernden Welt verkörpert Mathieu die Zeitlosigkeit. Sie fühle sich in ihrer Haut wohl, erklärte sie in einem Interview. Auch bei ihrem Publikum findet man diese Beständigkeit. Denn noch heute füllt die Mathieu-Gemeinde die Musikhallen weltweit. Die Sängerin gehört mit über 130 Millionen verkauften Tonträgern kommerziell zu den erfolgreichsten französischsprachigen Sängerinnen. Bereits 2014 und 2015 feierte sie ausgiebig ihre 50-jährige Karriere mit einer Dreifach-Best-of-CD und einer Tournee durch mehrere Länder.

Mit dem auf Deutsch gesungenen Schlager „Hinter den Kulissen von Paris“ erreichte sie 1969 auch ein großes Publikum jenseits des Rheins. Sie wurde nun „Der Spatz von Avignon“ genannt, eine Anspielung auf Edith Piaf, den „Spatz von Paris“ , das Vorbild der Mathieu. Das Paris-Lied war auch deshalb in Deutschland so erfolgreich, weil es alle Klischees aus der Postkartenidylle erfüllte: „Und ewig fließt die Seine, und ewig ist l’amour. So wird es immer bleiben, tagein, tagaus, toujours.“ Deutsch konnte sie nicht, Katja Ebstein musste ihr die Texte vorsingen. Der Spracherwerb ging in beide Richtungen: Mathieu brachte den Deutschen ein wenig Französisch bei: „Au revoir heißt nicht adieu. Wahre Liebe, sie stirbt nie“

Mehr als ein Drittel ihrer Tonträger verkaufte sie in Deutschland.

Mathieu gehört neben Dalida und der Piaf zum nationalen Kulturerbe Frankreichs. Sie sang Duette mit dem spanischen Opernsänger Plácido Domingo, dem Österreicher Peter Alexander – und mit Abba. 1984 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihre Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft, 1999 wurde sie Ritterin der Ehrenlegion in Frankreich. „Ich glaube, die Menschen spüren, dass ich es liebe, auf der Bühne zu stehen“, lautet ihre Antwort auf die Frage nach ihrer Beliebtheit.

Nur wenig ist über ihr Privatleben publik geworden. Sie meidet die Sonne, schläft durchschnittlich neun Stunden, isst vorzugsweise Bioprodukte, raucht nicht und trinkt – Bordeaux und Champagner – in Maßen. Über Liebe singt sie viel, redet aber nicht über ihre Präferenzen. Es habe durchaus Männer in ihrem Leben gegeben. Aber eine große Liebe habe sie nicht erlebt, gestand sie einer deutschen Zeitschrift.

Sabine Glaubitz, Michael Berger

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