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Dat musst du sehn hebben*

Hamburg Dat musst du sehn hebben*

Die Hip-Hop-Band „De fofftig Penns“ rappt auf Plattdeutsch — und füllt damit Konzerthallen.

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„Den Rhythmus spüren“, sagt Johannes Fischer

Platt-Schnacker: Jakob Köhler, Torben Otten und Malte Battefeld (v. l.) – zusammen sind sie „De fofftig Penns“.

Quelle: Lars Kaempf/Sparta Entertainment

Hamburg. Eines muss man ihnen lassen: Ein Presseheftchen hauptsächlich mit Verrissen zu bestücken, das hat Größe. „Ihr denkt wohl, wegen dem bisschen Plattdeutsch verzeiht man euch alles.“ (Radio Energy Bremen). Oder: „Klingt mir irgendwie zu sehr nach Fettes Brot.“ (Zitat Jan Delay). Oder: „Das Lied ist Scheiße. Und was ist das überhaupt für ne gammlige Sprache?“

Mal abgesehen davon, dass Youtube-Nutzerin „Nessi Klein“ Scheiße mit nur einem S geschrieben hat, ist das Ganze natürlich eine Bankrott-Erklärung. Nur: Sind sich alle einig, sollte man hellhörig sein, aus Prinzip schon. Also, Youtube angeworfen, Kopfhörer auf, und sieh an, „De fofftig Penns“ sind alles andere als schlecht, ihre Musik macht Laune, und dass man kaum ein Wort versteht — seit wann ist das ein Kriterium?

Die Kritisierten nun, das sind Torben, Malte und Jakob, alle drei um die 30, alle drei Werder-Bremen- Fans. Sie sind im Norden von Bremen aufgewachsen, in den Stadtteilen Grambke, Aumund und Vegesack, um genau zu sein. Ortskundige sagen, langweiliger geht‘s nimmer — und vielleicht ist das auch der Grund, warum sich die drei 2003 für eine Plattdeutsche Schul-AG anmeldeten.

Am Ende des Schuljahres jedenfalls stand ein Projekt mit weitreichenden Folgen. Weil sie die Aufgabe hatten, das Plattdeutsche der Jugend nahezubringen, übersetzten sie einen Song des US-amerikanischen Rappers „50 Cent“, seinen Namen übernahmen sie gleich mit: „De fofftig Penns“. Das war der Anfang. Dass „Fettes Brot“ es mit „Nordisch by Nature“ ein paar Jahre zuvor in die Charts geschafft hatten und damit so etwas wie die Hymne für Norddeutschland kreierten, war zu dem Zeitpunkt beinahe schon wieder vergessen.

Irgendwann kamen für „De fofftig Penns“ dann die ersten Auftritte, es folgte die erste Single, und als sie 2013 bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest den siebten Platz holten, war es der vorläufige Höhepunkt einer Idee, von der es ursprünglich hieß: „Hauptsache, wir kommen mit dem Quatsch ins Fernsehen.“

Ihre Heimat haben die Jungs inzwischen verlassen, sie sind jetzt „Buten-Bremer“; Malte lebt in Gent in Belgien, Torben in New York, Jakob studiert in Berlin Stadtplanung. Ein- bis zweimal die Woche betreiben sie „Google Hangout“, wie Jakob es nennt, Videokonferenz hieß so etwas früher, zum Gespräch erwischt man ihn am Telefon in der Mittagspause. Für die Freunde sind „De fofftig Penns“ mehr Jux und Dollerei, und doch stehen sie immer mal wieder auf der Bühne, am kommenden Dienstag etwa in Hamburg. Während sie früher vor allem Songs coverten, haben sie längst ihren Stil gefunden.

„Kann. Mutt. Löppt.“ handelt davon, dass Dinge ihren Gang gehen (Jakob: „In Ostfriesland kann man angeblich ganze Unterhaltungen mit diesen Worten bestreiten.“) In „Ik mutt gor nix“ geht es darum, sich keine Verpflichtungen aufdrücken zu lassen („Dat musst du sehn hebben — nee mutt ik nicht; dat musst du leest hebben — nee mutt ik nicht. . .“). „Dascha ‘n Ding“ ist ihr aktuellstes Werk. Im klassischen Straßen-Rap geht es häufig um Coolnees, Macht und Geld, ihre Lieder drehen sich ums Leben, Spaß und gute Laune, man könnte sagen, „De fofftig Penns“ sind „Die Ärzte“ unter den Hip-Hoppern. Ihr entferntester Auftritt bisher war in Japan. Das niedersächsische Kultusministerium hatte zur Tournee eingeladen, und auch wenn es dabei mehr um Folklore und Tanztee ging, „in den Grundschulen aber hat es gut funktioniert“.

Weniger als drei Prozent der Deutschen sprechen heute Platt, das Image bisher war eher so la la, inzwischen aber kommt mit Rapper „Blown“ und den bekennenden Flachlandfetischisten der Punk-Band „Musikapparillo“ frischer Wind in die Fischbude. „De fofftig Penns“ jedenfalls haben für ihre Verdienste um die deutsche Sprache schon mal den Heinrich- Schmidt-Barrien-Preis bekommen. Reinhold Goltz vom Institut für niederdeutsche Sprache lässt wissen: „Für mich sind ,De fofftig Penns‘ der plattdeutsche-arabische Frühling.“ So hoch will Jakob das nicht hängen: „Wir wollen nicht missionieren oder so etwas. Wir rappen platt, weil es Spaß macht.“

Eine Sprache brauche ein gutes Image, um Überleben zu können, heißt es. Die Konzerte von „De fofftig Penns“ sind nahezu ausverkauft. Will sagen: Löppt!

* „Das musst du gesehen haben“

„De fofftig Penns“ im „Molotow“ Hamburg, Reeperbahn/Nobistor 14, Dienstag, 22. Dezember, 20 Uhr, Karten ab 19,10 Euro

Marion Hahnfeldt

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