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Debütpreis geht an Simon Strauß

Lübeck Debütpreis geht an Simon Strauß

Den Debütpreis des Buddenbrookhauses erhält in diesem Jahr der in Frankfurt am Main lebende Schriftsteller und Journalist Simon Strauß. Die Jury würdigte mit der Preisvergabe seinen Erstlingsroman „Sieben Nächte“, in dem ihm ein eindrucksvolles Porträt seiner Generation gelungen ist.

Lübeck. In der Begründung der Jury heißt es, dass Simon Strauß neben dem Porträt der heute um die 30 Jahre alten Menschen auch eine philosophisch reflektierte Fiktion geschaffen habe. Beeindruckt habe die Jury auch die Theoretisierung der Autorschaft in diesem schmalen, nur 138 Seiten umfassenden Roman.

 

LN-Bild

Simon Strauß arbeitet als Theaterkritiker bei der FAZ.

Quelle: Foto: Martin Walz

In „Sieben Nächte“ geht es um einen jungen Mann, der Angst davor hat, sich für ein geregeltes Leben, das man früher bürgerlich genannt hätte, entscheiden zu müssen. Geregelte Verhältnisse: Feste Arbeitsstelle, Ehefrau, Nachwuchs und einen Urlaubsort im Jahr. Er hat Angst, dass ihm das Gefühl abhanden kommt. Doch dann taucht ein entfernter Bekannter wieder auf, der ihm ein überraschendes Angebot macht. An sieben Tagen soll der junge Mann jeweils um sieben Uhr eine der sieben Todsünden begehen und anschließend darüber schreiben. Er muss gierig, hochmütig und wollüstig sein, sich von einem Hochhaus stürzen, den Glauben und jedes Maß verlieren.

„Sieben Nächte“ ist ein Streifzug durch eine nächtliche Großstadt, in der die Todsünden alltägliche Realität sind, was ihm vor Beginn dieser ungewöhnlichen Reise nicht bewusst war. An der Schwelle zum endgültigen Erwachsenwerden führt dieser Streifzug bei ihm zu einem letzten Auflehnen gegen zuviel Reife, die das erwachsene Leben mit sich bringt.

Der Erzähler lernt Dinge wieder kennen, die erlängst vergessen hatte – wenn er sie denn überhaupt kannte. Es sind die Gefühle, die ihn vor Gewohnheit und Tristesse bewahren können. Die sieben Todsünden sind dabei nur ein symbolisches Vehikel, um sich die Empfindung zu erhalten. Mit ihrer Hilfe erkennt er letztlich, wie man auch als „Erwachsener“ ein intensiveres Leben führen kann.

Diese Entdeckungsreise schildert Simon Strauß mit einer geschliffenen Sprache, die ebenso präzise wie poetisch ist. Und dennoch knapp, manchmal lakonisch, aber immer überzeugend. Ein großartiges Debüt.

Der Debütpreis wird seit dem Jahr 2003 vom Lions Club Lübeck-Hanse gestiftet. Bisherige Preisträger sind Christof Hamann (2003), Juliane Hielscher (2005), Robert Seethaler (2007), Jan Christophersen (2009), Nino Haratischwili (2011), Carmen Stephan (2013) und Verena Boos (2014/2015). Die Verleihung findet am Freitag, 8. Dezember, um 19.30 Uhr im Audienzsaal des Lübecker Rathauses statt.

LN

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