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Delirium auf der Theaterbühne

Mannheim Delirium auf der Theaterbühne

Jonathan Meese verscheucht mit Hitlergruß und Hakenkreuz sein Publikum in Mannheim.

Mannheim. Aus dem Mannheimer Nationaltheater flüchtende Zuschauer waren sich schnell einig: „Thema verfehlt. Note 6.“ Am Mittwochabend schaffte es der für seine aggressiven Performances bekannte Maler Aktionskünstler Jonathan Meese (43) innerhalb von 165 langen Minuten, die meisten seiner Zuschauer zu verlieren. Der Ahrensburger Künstler zeigte während der Uraufführung seines Ein-Mann-Stücks „Generaltanz den Erzschiller“ unaufhörlich den Hitlergruß, bemalte eine Gummipuppe, die wie ein Alien aussah, mit einem Hakenkreuz oder deutete mit dieser Oralsex an.

Das komplett auf Nonsens beruhende Stück — Meeses Beitrag zu den 17. Internationalen Schillertagen — bestand im Wesentlichen darin, dass er, wie immer in einen Trainingsanzug gekleidet, permanent das Ende der „Scheiß-Demokratie“ beschrie und dabei Energy-Drinks in sich hineinschüttete. Die Zuschauer beschimpfte er als „Form-Fleisch-Menschenklone“, die sich von „Demokratie-Terroristen“ regieren ließen, Diese gelte es durch Wahlenthaltung zu beseitigen. Viele ältere Theaterbesucher verlor er mit der Bemerkung, die „68er-Bewegung“ habe nichts gebracht und sei nur „Massenindividualismus und Rudelbumsen“ gewesen.

Seine Tiraden im irren Auf- und Abgehen wurden mit der Wiederholung von eingespielten Musiktiteln wie „You“ der 80er-Jahre-Band Boytronic orchestriert. Meese rief einmal mehr die „Diktatur der Kunst“ aus, und in mantraartigen Gesängen attestierte er sowohl Adolf Hitler, Richard Wagner als auch Militarismus, „cool“ zu sein. Er verzichtete immerhin darauf, sich auszuziehen oder öffentlich zu urinieren. Am Ende wurde er von Theatermitarbeitern von der Bühne geklatscht.

Die Aufführung wird möglicherweise wieder die Justiz interessieren. Erst vor ein paar Wochen hatte Meese einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Kassel wegen eines öffentlichen Hitlergrußes erhalten. 2016 soll Meese übrigens in Bayreuth Wagners „Parsifal“ inszenieren.

LN

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