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Kultur im Norden Der Dichter mit dem Pinsel grüßt aus dem Garten
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20:18 19.03.2016
Laokoon mit Gartenschlauch: Cismar-Mitarbeiterinnen hängen das „Selbstbildnis im Gewächshaus“ von Diether Kressel auf. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler

Diether Kressel, der im vergangenen Jahr im Alter von 89 Jahren in Hamburg verstarb, war einer der großen alten Realisten in der deutschen Kunstszene. Zu den im Moment so populären Norddeutschen Realisten gehörte der in Düsseldorf geborene Künstler jedoch nicht. Die zu seinem 90. Geburtstag im Kloster Cismar (Ostholstein) geplante Ausstellung ist nun zu einem künstlerischen Nachruf auf Diether Kressel geworden.

Große Ausstellung mit Werken von Diether Kressel im Kloster Cismar — Kooperation des Landesmuseums mit der Landesgartenschau in Eutin.

Man kann das Werk Kressels nicht in einfach in der Schublade „Realismus“ ablegen, zu vielschichtig sind seine Bilder, Zeichnungen und Grafiken. Immer wieder finden sich verwirrende Elemente in seinen gegenständlichen Bildern, er liebte die die Wahrnehmung täuschende Trompe-l‘œil- Malerei ebenso wie geheimnisvolle Chiffren, die er immer wieder in seinen Bildern unterbrachte. Zarte Hinweise, die der Betrachter entdecken und entschlüsseln muss.

Was in der Ausstellung in Cismar besonders ins Auge sticht, sind die Farbstift-Zeichnungen Diether Kressels. Sie sind in meisterlicher Manier ausgeführt, detailreich, farbig und sehr nah an der Natur. Die hatte es dem Künstler sowieso angetan, der Titel der Ausstellung „Bin im Garten“ hat durchaus seine Berechtigung.

Im Alter von zehn Jahren kam Kressel mit seiner Familie nach Hamburg, dort verbrachte er den Rest seines Lebens. In Schleswig- Holstein fand er ein zweites Domizil auf der Halbinsel Eiderstedt, ein 300 Jahre altes Friesenhaus. Im Garten errichtete er ein Gewächshaus, das ganze Grundstück bepflanzte er mit Blumen und blühenden Sträuchern, die er immer wieder zeichnete oder als Sujet für seine Radierungen verwandte.

Selbstbildnisse gibt es von Diether Kressel in großer Zahl. Eins zeigt ihn in seinem Gewächshaus, von einem Gartenschlauch umschlungen wie Laokoon von den Schlangen. Das ist ein Beispiel für den Humor, der in Kressels Bildern immer wieder aufblitzt, rheinischer Schalk bei einem Wahl-Norddeutschen. Die Doppelbödigkeit der meisten Werke Kressels zeigt sich an Kleinigkeiten. So steht ein wunderbar gezeichneter Strauß Eisenhut in einer alten Kanne, die mit dem Brustbild eines französischen Marschalls aus der Zeit Napoleons verziert ist. Auf einer anderen Blumenvase hat er das Hochzeitsbild seiner Eltern verewigt — das sind die Chiffren, die die Bilder Kressels so spannend machen. Man kann ihn deshalb sogar in die Nähe der Surrealisten oder der Magischen Realisten rücken — angeschlossen hat er sich diesen Richtungen jedoch nie. Sein Stil war immer sehr eigen, die angedeuteten Geschichten in seinen Bildern sind viel dezenter als etwa die in Gemälden von Max Ernst.

Ein großer Teil der in Cismar gezeigten Zeichnungen und Grafiken Diether Kressels stammt aus der Sammlung des Landesmuseums Schloss Gottorf, hinzu kommen vor allem Gemälde als Leihgaben der Familie oder anderweitigem Privatbesitz. Daraus ergibt sich eine gediegene Werkschau, ein umfassender und eindringlicher Überblick über das Werk dieses Künstlers, der sich selbst über Jahrzehnte hinweg treu geblieben ist. Poetisch sind diese Blicke auf den Alltag, hintergründig und humorvoll zugleich.

Cismar und Eutin

Die Ausstellung „Bin im Garten“ mit Werken von Diether Kressel (1925-2015) wird heute um 12 für geladene Gäste eröffnet und ist bis zum 30. Oktober zu sehen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zahlreichen Abbildungen, der zehn Euro kostet (137 Seiten). Es wird ein reichhaltiges Rahmenprogramm angebote.

• Internet: www.schloss-gottorf.de/kloster.cismar

Im Rahmen einer Kooperation mit der in Eutin stattfindenden Landesgartenschau, die am 28. April eröffnet wird, haben Besucher der Gartenschau freien Eintritt für die Schau im Kloster Cismar. Besucher von Cismar erhalten einen Rabatt beim Eintritt für die Landesgartenschau.

LN

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