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Der Gitarrist, vor dem sich Gitarristen verneigen

San Diego Der Gitarrist, vor dem sich Gitarristen verneigen

Der legendäre Jazz-Rock-Musiker Allan Holdsworth ist mit 70 Jahren gestorben.

San Diego. Es gibt Musiker, die einen immensen Einfluss auf andere Musiker und ihr Genre haben und trotzdem fast unbekannt bleiben. Das gilt auch für den britischen Gitarristen Allan Holdsworth, der am Osterwochenende plötzlich in seinem Haus in San Diego verstorben ist.

 

LN-Bild

Allan Holdsworth.

Quelle: Foto: Imago

Holdsworth wurde 1946 in Bradford (Yorkshire) geboren. Eigentlich hätte er am liebsten das Saxofonspiel erlernt, doch dafür gab’s in der Familie kein Geld. Also befasste er sich, eher notgedrungen, mit einer Gitarre, die er mit 14 Jahren geschenkt bekam.

Aus dem verhinderten Saxofonisten wurde ein Ausnahme-Gitarrist. Seine Musik gehört wohl am ehesten in das Genre „Fusion“ oder „Jazz-Rock“. Er spielte in namhaften Bands (Soft Machine, Gong, UK, Level 42) und mit bekannten Instrumentalisten der Szene (Bill Bruford, Jean-Luc Ponty, Stanley Clarke, Herbie Hancock, Chad Wackerman). Und er veröffentlichte Solo-Alben, auf denen wiederum die Besten der Besten mitspielten.

Holdsworth vereinte eine einzigartige Beherrschung seines Instruments mit einem neuartigen, ganz speziellen Ton. Sein Einfluss auf andere Musiker kann kaum unterschätzt werden – es gibt wohl keinen bekannten E-Gitarristen, der sich nicht vor ihm verneigt hat. Eddie van Halen, Carlos Santana, Steve Lukather, Pat Metheny, Frank Zappa, Steve Vai, Joe Satriani und viele andere haben stets betont, dass Holdsworth in einer höheren Liga spielt. John McLaughlin ging einst nach einem Holdsworth- Konzert zu ihm hinter die Bühne und sagte: „Wenn ich wüsste, was Du da machst, würde ich es jetzt sofort stehlen!“ Und der Schlagzeuger Bill Bruford (Yes, Genesis, King Crimson), der viele Jahre eng mit ihm zusammengearbeitet hat, schrieb in seinem Nachruf über seine Konzerte mit Holdsworth: „Ich hätte Geld gezahlt, um bei diesen Auftritten dabei sein zu können.“

Vielleicht hätte Holdsworth Geld nehmen sollen. Denn im Alter hatte er finanzielle Sorgen. Gerade war er in den USA, wo er zuletzt lebte, auf Tour. Freunde berichten, dass er sich nicht einmal Hotels leisten konnte und oft bei Fans übernachtete. Wenige Stunden nach seinem Tod wurde eine Crowdfunding-Initiative für eine würdige Bestattung ins Leben gerufen. Seine Fans in der ganzen Welt nutzten die Möglichkeit, ihm die letzte Ehre zu erweisen: Nach noch nicht einmal 48 Stunden waren fast 100000 Dollar gespendet.

Andreas HeãŸ

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