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Der Grenz-Gänger

Der Grenz-Gänger

Der Filmemacher Karsten Wiesel wanderte die deutsch-dänische Grenze entlang und nahm 8000 Fotos auf.

Von der Ostsee bis zur Nordsee: Im September 2015 ist Karsten Wiesel mit Anglerstiefeln losgezogen, 67 Kilometer geradeaus entlang der Grenzlinie, wie sie 1920/21 gezogen wurde. Alle acht Meter hat er Fotos gemacht und zu einem Kurzfilm zusammengeschnitten, der gestern gezeigt wurde. Einige Aufnahmen sind im Lübecker Kolosseum zu sehen. Karsten Wiesel war dort, wir haben ihn nach der Motivation für das Projekt befragt.

Wie kamen Sie auf die Idee, die Grenze zu dokumentieren?

Karsten Wiesel: Die Flensburger Kurzfilmtage hatten dazu aufgerufen, Filmideen zur Situation nördlich und südlich der dänischen Grenze einzureichen. Ich habe das ganz wörtlich genommen und wollte zeigen, wie die Grenze denn eigentlich aussieht.

Wie haben Sie die Grenze denn gefunden? Es gibt ja wohl keine Linie.

Ich kannte nur ein paar Grenzübergänge, zum Beispiel eine kleine Brücke in Flensburg. Dort bin ich gestartet und habe mich dann mit Hilfe von GPS-Navigation und der Grenzsteine orientiert, die 1920 gesetzt wurden.

Wie sehen die aus?

Das sind Granitblöcke, etwa kniehoch. Auf deutscher Seite steht DRP drauf, das heißt Deutsches Reich Preußen, und auf der anderen Seite D für Dänemark.

Mussten Sie viele Hindernisse überwinden?

Bei der Vorbereitung habe ich gesehen, dass fast zwei Drittel der Grenze Wassergräben sind. Ich bin vorher an manche Stellen gefahren und habe geschaut, wie breit die Gräben sind, ob ich durchlaufen kann oder nicht. An manchen Stellen mussten wir auch ein Boot ins Wasser lassen. In einem Moorstück haben mein Assistent Michael Gentner und ich eine Alu-Leiter über den Graben gelegt.

Alle acht Meter neu, dann bin ich raufgegangen, habe mein Foto gemacht, und dann weiter.

Warum haben Sie nicht vom Rand des Grabens fotografiert?

Dann bekommt man keine Zentralperspektive, die ich haben wollte.

Und warum gerade alle acht Meter?

Ich hatte mir vorher ausgerechnet, dass ich etwa 8000 Bilder für einen zwölf-Minuten-Film benötige, und bei 67 Kilometern kam ich auf alle acht Meter.

Wie lange haben Sie gebraucht?

Wir waren zehn Tage unterwegs.

Haben Sie im Zelt geschlafen?

Nein, das wäre zwar lustig gewesen, aber zu viel Gepäck: Zelt, Boot, Leiter. Und die Kamera. Das war schon anstrengend genug, alle acht Meter die Kamera hochzuhalten. Also haben wir in der Nähe bei Freunden übernachtet. Vormittags sind wir gestartet und waren meist bis Sonnenuntergang unterwegs.

Was war die größte Herausforderung?

Es gab einen ganzen Regentag, da war es auch ganz schön kalt, und wir waren ziemlich durchgefroren im Boot. Das war anstrengend. Ansonsten hatten wir Glück mit dem Wetter.

Haben Sie auch Lebewesen gesehen?

Mehr Tiere als Menschen: Schafe, Kühe, viele Vögel.

Welche Erkenntnis hat Ihnen diese Grenzwanderung gebracht?

Grenzen sind ja etwas Fiktives, von Menschen gemacht. Die Grenze zwischen Deutschland und Dänemark wurde per Volksabstimmung von den Bewohnern selbst festgelegt. Sie ist seitdem friedlich, und man erkennt sie kaum noch, wenn man in der Landschaft unterwegs ist. Das ist doch ein schönes Beispiel. Interview: Petra Haase

LN

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