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Kultur im Norden Der HSV kommt auf die Bühne
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19:57 11.08.2018
Misswirtschaft, Intrigen – und Fanfreude: Vorhang auf für den HSV. Quelle: Fotos: Fotolia (1), Public Address (1) – Montage: Frank Mentz); Dpa
Lübeck

Geboren wurde die Idee nach dem letzten Spiel der Saison Mitte Mai. Der HSV gewann zwar 2:1 gegen Mönchengladbach, aber weil Wolfsburg gegen Köln ebenfalls siegte, war es das erst mal für die Hamburger mit der ersten Liga. Einige Fans randalierten, Bengalos brannten, und es spielten sich überhaupt schlimme Szenen ab im Volksparkstadion. Aber es gab eben auch die anderen. Leute, die den Abstieg als Aufgabe verstanden und sagten: Okay, müssen wir halt wieder aufsteigen. Da machte sich eine ebenso große wie merkwürdige Begeisterung breit, und Kammerspiele-Intendant Axel Schneider dachte, dass das eigentlich etwas fürs Theater wäre. Jetzt geht es also um Misswirtschaft, Intrigen und Vereinsmeierei auf der Bühne, und am 24. September ist Premiere. In der kommenden Woche beginnen die Proben.

Das Drehbuch schreibt Jörg Menke-Peitzmeyer, der sich vor allem als Kinder- und Jugendtheaterautor einen Namen gemacht hat, aber mit Stücken wie „Abstiegskampf“ oder „Steht auf, wenn ihr Schalker seid“ auch fußballerisch hervorgetreten ist. Regie führt Gil Mehmert, von dem in Hamburg unter anderem die Musical-Inszenierung „Das Wunder von Bern“ stammt und dessen Kinodebüt „Aus der Tiefe des Raumes“ von Hans-Günther handelte, einem schüchternen jungen Mann, der aber Tipp-Kick spielen konnte wie kein Zweiter.

Die Kammerspiele selbst haben sich auch schon mit Fußball befasst, vor acht Jahren war das, als Stefan Jürgens in „Seitenwechsel“ einen schwulen Trainer spielte und ein Licht warf auf die gern beschwiegene Homosexualität im Fußball. Der Deutsche FußballBund war seinerzeit Kooperationspartner. Von daher fügt sich „Heiß auf zweite Liga“ gut in das frühere Ida-Ehre-Haus im Hamburger Univiertel, wo der HSV am benachbarten Rothenbaum im Übrigen seine Wurzeln hat.

Sie hätten lange darüber nachgedacht, ob sie wirklich ein HSVStück machen sollten, sagte Kammerspiele-Sprecherin Simone Schmidt. Aber mit dieser Konstellation habe man ein gutes Gefühl. Es gehe nicht um Häme und Spott für den Verein, sondern um die Geschichte nach dem Abpfiff. Um einen Aufbruch nach dem Fall, auch wenn der Auftakt der Zweitligasaison mit dem 0:3 zu Hause gegen Holstein Kiel gleich wieder gründlich danebenging.

Außerdem soll der HSV-Vorsänger Lotto King Karl für das Stück gewonnen werden, ebenso Vertreter des Vereins für kurze Video-Sequenzen. Und Klubboss Bernd Hoffmann soll zur Premiere kommen. Das wäre alles schwerlich möglich, wollte man den Klub lächerlich machen. Der habe von dem Projekt schon im klubeigenen HSV-Blog berichtet und stehe der Sache offen gegenüber, sei sehr gespannt und sehr kooperativ.

Pikant könnte die Sache werden, weil der Eigentümer der Kammerspiele Jürgen Hunke heißt, und der war in den Neunzigerjahren unter anderem HSV-Präsident. Aber Hunke halte sich komplett raus, sagte die Sprecherin. Er möchte in dem Stück nicht vorkommen und gebe dazu auch keine Interviews. Aber er finde die Idee gut und wichtig und schätze die Aufmerksamkeit dadurch für das Theater.

Vier Haupt- und eine Nebenrolle seien zu besetzen. Mit Ann-Cathrin Sudhoff und Hannelore Droege habe man zwei Schauspielerinnen schon gefunden, bei Björn Bonn sehe die Sache sehr gut aus, mit anderen Akteuren liefen noch Gespräche. Geplant ist, das Stück bis Mitte November zu spielen. Es sei „eine Hamburgensie“, sagte Simone Schmidt. Und an der würden HSV- und auch die St.-Pauli-Fans gleichermaßen ihre Freude haben.

Von Ida Ehre bis Ulrich Tukur

Die Hamburger Kammerspiele sind ein Haus mit langer Geschichte. Vor dem Zweiten Weltkrieg schon ein Theater, wurde die 1863 erbaute Villa nach 1945 von der Schauspielerin Ida Ehre geleitet. Es war das einzige nicht zerstörte Theater in Hamburg. 1947 wurde dort Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ mit dem legendären Hans Quest uraufgeführt. Ida Ehre starb 1989, sechs Jahre später eröffneten Ulrich Tukur und der Regisseur und Autor Ulrich Waller die Spielzeit mit einer Neufassung von „Draußen vor der Tür“. 2002 wurde das Haus aufwändig saniert, seit 2003 wird es von Axel Schneider geleitet.

Peter Intelmann

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