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Kultur im Norden Der Hanswurst, den die Mächtigen fürchten
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19:12 23.03.2016
Theaterautor Dario Fo sieht sich als Gaukler. Quelle: dpa

. Große Tragödien, wie etwa William Shakespeare sie schuf, sowas liegt ihm nicht. Dario Fo sieht sich als Possenreißer, als Satiriker. „Ich bin nicht mit der Idee zum Theater gegangen, Hamlet zu spielen, sondern mit der Ansicht, ein Clown zu sein, ein Hanswurst“, sagte er, als er 1997 den Literaturnobelpreis erhielt. Kaum einer in Italien verfügt über einen solchen Sprachwitz und ein solches Talent zum Geschichtenerzählen wie er. Heute wird der Polit-Clown 90 Jahre alt.

„Die Macht, und zwar jede Macht, fürchtet nichts mehr als das Lachen, das Lächeln und den Spott“, so Fos Credo. Er hat die Konsequenzen selbst erlitten: Fo stand rund 40 Mal wegen Beleidigung und Verhöhnung der Mächtigen vor Gericht. Mehrmals wurde er gleich von der Bühne abgeführt.

Eigentlich war Dario Fo Architekt. Doch das Theater, vor allem die freie Bühne, zog ihn magisch an. Dort verkörperte er lüsterne Päpste, skurrile Politiker und geschwätzige Trunkenbolde. „Wir sind Flegel, und wie alle Flegel dieser Welt gefällt es uns, zu lachen und zu spotten, grotesk, vulgär und manchmal auch possenhaft zu sein“, sagt der für seine ausdrucksstarke Mimik bekannte Mailänder.

Sein außergewöhnliches Talent und seine politische und soziale Theaterarbeit wurden in Stockholm mit dem Nobelpreis gewürdigt, und die versammelte Literaturwelt staunte. Das Komitee aber hatte gute Gründe und bezeichnete ihn als Schriftsteller, „der in Nachfolge der mittelalterlichen Gaukler die Macht geißelt und die Würde der Schwachen und Gedemütigten wieder aufrichtet“.

Mit Blick auf seine im Jahr 2013 gestorbene Frau Franca Rame sprach Fo stets von „unserem Nobelpreis“. Über 70 Stücke haben die beiden gemeinsam geschrieben, seit sie 1954 geheiratet hatten.

Franca Rame pflegte zu erzählen, Fo sei zunächst zu schüchtern gewesen. „Eines Tages habe ich ihn hinter der Bühne abgefangen, an die Wand gedrückt und geküsst.“

Fast 60 Jahre lang standen Fo und Rame gemeinsam auf der Bühne und verfassten Stücke. Ende der 1960er Jahre feierten sie erste Erfolge, die vor allem Fo schnell über die Grenzen der Heimat hinaus berühmt machten. Stücke wie „Mistero Buffo“ (1969), „Sex? — Aber mit Vergnügen!“ (1994) und „Der Teufel mit den Titten“ (1997) wurden in ganz Europa gespielt. Die Titel verraten, wie beißend und obszön es da manchmal zugeht. Ob Mafia oder Waffenindustrie, Kirchenstaat oder Umweltsünden — Fo hat te sie alle im Visier. In der Farce „Offene Zweierbeziehung“ (1983), seinem bekanntesten Stück, thematisierte Fo, dass solche Arrangements meist nur für die Männer mehr sexuelle Freiheit bedeuten, die Frauen leiden darunter. Die Männer leiden dann, wenn die Frauen mit der Promiskuität ernst machen.

Auch nach einem Schlaganfall im Sommer 1995 gibt er keine Ruhe: 2006 kandidierte er zum zweiten Mal — vergeblich — für das Amt des Mailänder Bürgermeisters.

Von Carola Frentzen/mib

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