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Der Hund ist der wichtigste Freund

Lübeck Der Hund ist der wichtigste Freund

Wenn es keine Hunde gäbe, müsste man sie erfinden. Das ist die Lehre aus der zauberhaften Komödie „Toutou“.

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Karen Friesicke (Zoé), Reiner Lorenz (Alex, Mitte) und Teymur Mokhtari (Pavel): Aber wo steckt der Hund Toutou?

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Toutou ist ein Hund mit Migrationshintergrund. Zoé und Alex haben ihn von einem Entwicklungshilfe-Einsatz aus Rumänien mit nach Paris gebracht, nachdem Alex die Mutter des armen Welpen totgefahren hatte. Toutou ist die Hauptperson in der Komödie von Daniel Besse und Agnès Tutenuit, die am Freitag im Theater Partout ihre umjubelte Premiere erlebte. Eine seltsame Hauptfigur, denn sie tritt nie in Erscheinung (von einem kurzen Bellen einmal abgesehen). Aber es dreht sich alles um den 8-jährigen Rüden, der die beiden in ihrer Ehe müde gewordenen Protagonisten Zoé und Alex zusammenhält. Als Toutou beim Gassigehen ausbüxt, beginnt der Ärger. Und der ist höchst originell und ausgesprochen witzig — zumindest für die Zuschauer.

Regisseur Uli Sandau hat die in ihrer Schlagfertigkeit und ihrem Esprit typisch französische Komödie ziemlich radikal gekürzt, ohne sie dabei in ihrem Stil oder Gehalt zu beschädigen. Herausgekommen sind bei der Operation gut 90 Minuten bester Unterhaltung mit Niveau. Denn Uli Sandau hat das große Glück, dass er über drei ausgezeichnete Schauspieler verfügt. Allen voran Karen Friesicke, eine in Film und Fernsehen erprobte Schauspielerin und Komikerin. Wie sie die Zoé gibt, die ihren verschwundenen Toutou so sehr liebt, dass sie sogar anfängt, seine Hundekuchen zu essen, ist nie überzogen, es ist hochprofessionell und trotzdem natürlich. Man glaubt ihr die Seelenqualen des verlassenen Hunde-Frauchens ebenso wie die einer nicht mehr ganz jungen Frau, die sich an ein Liebesabenteuer erinnert. Und natürlich auch die Eifersucht, als sie herausbekommt, dass ihr Gatte Alex nur deshalb so gerne abends mit Toutou ausgeht, weil er dann in aller Ruhe die attraktive Nachbarin treffen kann.

Diesen Alex spielt Reiner Lorenz als ebenfalls in die Jahre gekommenen ehemaligen Idealisten, der mittlerweile doch den Reizen eines guten Jobs und eines guten Rotweins erlegen ist. Lorenz wird durch seine Partnerin Karen Friesicke gefordert in dieser Produktion, seine Kunst der Darstellung steht der ihren in nichts nach. Sie küssten und sie schlugen sich — ein Ehepaar wie im richtigen Leben. Und ohne den Hund, den Alex eigentlich hasst, vollständig beziehungsunfähig.

Das wäre eine witzige, aber ausgesprochen konventionelle Ehe-Komödie, wenn nicht noch der beste Freund von Alex auftauchen würde. Dieser Pavel entpuppt sich auch als Hundehasser, aber eigentlich ist er zu seinen Freunden gekommen, weil er keine Lust hat, nach Hause zu seiner Freundin zu gehen. Teymur Mokhtari, der im TV unter anderem in „Girlfriends“ und in „Marienhof“ zu sehen war, wirkt trotz seines weltmännischen Gehabes ausgesprochen zerbrechlich in der Rolle des Pavel. Erst nach und nach kommt er mit der Wahrheit über den Zustand seiner Beziehung heraus. Das ist ebenfalls sehr gut und überzeugend gespielt.

Regisseur Uli Sandau gelingt es in dieser Aufführung, die Spannung hoch zu halten. Es sind ganz kleine Wellenbewegungen, die diesen Spannungsbogen charakterisieren, minimale Tempowechsel, die dem Ablauf aber Abwechslung verschaffen. Mit der minimalen Ausstattung — ein Sofa, ein Sessel und natürlich ein poppiges Hundekörbchen — und den hervorragenden Darstellern entsteht viel Atmosphäre. Eine rundherum gut gemachte, gut inszenierte und vor allem gut gespielte Komödie, die nie in Klamauk abrutscht und immer wieder auch leicht tragische Anklänge beinhaltet. Das Publikum in der ausverkauften Premiere war begeistert von diesem „Toutou“. Und den hätte man dann doch gern einmal gesehen.

Nächste Vorstellungen: am 11. und 12. April.

Natürlich kann man ohne Hund leben, es lohnt sich nur nicht.“
Heinz Rühmann

Jürgen Feldhoff

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