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Der „Kleine Mann“ darf jetzt er selbst sein

Gießen/Berlin Der „Kleine Mann“ darf jetzt er selbst sein

Wissenschaftler entdeckte Original des Fallada-Romans.

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Hans Fallada 1939 mit seinen Kindern Uli und Lore.

Quelle: dpa

Gießen/Berlin. . Erstmals liegt die Originalausgabe von Hans Falladas epochalem Roman „Kleiner Mann – was nun?“ vor. Der Gießener Literaturwissenschaftler Carsten Gansel, der an der Entdeckung des Originalmanuskripts beteiligt war, sagte, Fallada zeichne in der Ur-Fassung ein „viel authentischeres Bild der End- 1920er-Jahre“.

Die Geschichte aus dem Alltag der Weltwirtschaftskrise, erschienen 1932, sei in den bisherigen Ausgaben nur verkürzt wiedergegeben worden. Die Neuausgabe ist gestern im Berliner Aufbau Verlag erschienen, Gansel hat dazu ein Nachwort geschrieben. Die Streichungen in den vorherigen Ausgaben seien an die Substanz des Romans gegangen, erläuterte der Literaturwissenschaftler. „Die Streichungen aus dem handschriftlichen Original betreffen das Lokalkolorit der auslaufenden 1920er- und beginnenden 1930er-Jahre in der Metropole Berlin und das dortige Nachtleben.“ Der kleine Mann Johannes Pinneberg erzählt jetzt von Charlie Chaplin und träumt von Robinson Crusoe. Auch eine positive Aussage Pinnebergs über seine jüdischen Chefs („feine Kerls“) war bisher durch Weglassung ins Gegenteil verdreht.

Eine Gruppe von Germanisten und Verlagsleuten befasste sich nach einem Seminar 2013 in Gießen mit der Frage nach der Ur-Fassung von „Kleiner Mann – was nun?“ und fand im Fallada-Archiv das handschriftliche Original. Gansel hatte erst kürzlich einen sensationellen Fund gemacht: Der Literaturwissenschaftler entdeckte die Urfassung von Heinrich Gerlachs Antikriegsroman „Durchbruch bei Stalingrad“ in russischen Archiven wieder.

„Kleiner Mann – was nun?“ von Hans Fallada, ungekürzte Neuausgabe mit einem Nachwort von Carsten Gansel, Aufbau Verlag, 557 S., 22,95 Euro

LN

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