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Der König der Grimassen

New York Der König der Grimassen

An der Seite von Dean Martin wurde Komiker Jerry Lewis weltberühmt. Heute wird er 90 — und arbeitet weiter.

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Lewis stellte 2013 den Film „Max Rose“ in Cannes vor.

Quelle: dpa

New York. . Mit den Jahren steigt auch die Zahl der Ehrungen für Jerry Lewis immer weiter an. Jüngst bekam der Komiker einen zweiten Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood und biss dabei Regisseur Quentin Tarantino in die Hand, der ihn danach trotzdem als „Schatz“ und „einen der größten Schauspieler und Regisseure in der Geschichte des Kinos“

LN-Bild

An der Seite von Dean Martin wurde Komiker Jerry Lewis weltberühmt. Heute wird er 90 — und arbeitet weiter.

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feierte.

Heute kann Lewis seinen 90. Geburtstag feiern, aus diesem Anlass würdigt nun sogar das renommierte Museum of Modern Art (MoMA) in New York den Grimassen-König mit einer Film-Retrospektive. Lewis zeigt sich gerührt — und arbeitet weiter. „Ich frage mich auch manchmal, wo ich die ganze verdammte Energie hernehme.“

Dass Lewis überhaupt so alt werden konnte, grenzt an ein Wunder. Das Entertainment-Multitalent hatte Prostatakrebs, eine Magenblutung, einen Herzinfarkt, eine Wirbelsäulenfraktur und eine schwere Lungenkrankheit. Jahrzehntelang war er tablettensüchtig und 1982 für 17 Sekunden klinisch tot. „Ich habe unter den schwierigsten Bedingungen gearbeitet, die je ein Mann in seinem Leben erlebt hat“, sagte der Komiker jüngst dem „Hollywood Reporter“. „Aber wenn ich auf die Bühne gehe, ist der Schmerz weg.“

Zu seinem runden Geburtstag kam auch ein wenig Licht in das Mysterium um den thematisch wohl anspruchsvollsten Film des Komikers. „The Day The Clown Cried“, den Lewis 1972 drehte, gilt als Phantom-Lichtspiel. Die Geschichte über einen deutschen Zirkusclown, der nach einem abfälligen Kommentar über Adolf Hitler ins Konzentrationslager kommt, wo er jüdische Kinder erst zum Lachen bringt und sie dann in die Gaskammern führen soll, kam nie an die Öffentlichkeit. In einem vor kurzem veröffentlichten Dokumentarfilm des Grimme-Preisträgers Eric Friedler äußert sich Lewis erstmals ausführlich dazu.

Er sei mit dem Filmprojekt gescheitert. „Ich habe schlechte Arbeit abgeliefert, sowohl als Autor als auch als Regisseur, als Schauspieler, als Produzent. Bei meinem Versuch, dieses große Menschheitsverbrechen von der Realität in die Fiktion hinüberzubringen, besetzten die Gräuel mein ganzes Denken und Fühlen.“ 25 Jahre später lieferte Roberto Benigni mit „Das Leben ist schön“ eine KZ-Tragikomödie, die drei Oscars erhielt. „Er hat es gestohlen. Benigni stahl mir die Idee. Aber er hat es gut gemacht.“

Bis heute sei Lewis seiner Zeit voraus, lobt Regisseur Martin Scorsese, und Komiker-Kollege Jerry Seinfeld feiert Lewis als die „Essenz aller Comedy“. „Wenn man Jerry Lewis nicht versteht, versteht man Comedy nicht.“

Die Liebe zur Bühne bekam Lewis, der 1926 in Newark als Joseph Levitch geboren wurde, von seinen Eltern. Vater Danny Levitch, ein Nachtclub-Sänger, brachte mit seinem komischen Talent große Säle zum Kochen. Sein Sohn, der nach eigener Aussage mit „Schminke im Blut“ aufwuchs, wurde süchtig nach Applaus und tingelte schon mit 18 als Alleinunterhalter durch die Clubs.

Den Durchbruch schaffte er, als er 1945 den neun Jahre älteren Schnulzensänger Paul Dino Crocetti kennenlernte, der sich Dean Martin nannte. Martin sei für ihn „der große Bruder, den ich nie hatte“

gewesen, erzählte Lewis jüngst dem Magazin „GQ“. Sie ergänzten sich prächtig, der gut aussehende Martin in der Rolle des Charmeurs, Lewis als blödelnder Kindskopf. Sie landeten damit im Olymp des Unterhaltungsgeschäfts.

Doch nach zehn gemeinsamen Bühnen-Jahren zerstritten sich Lewis und Martin und sprachen 20 Jahre kein Wort mehr miteinander. Nach der Versöhnung schreibt Lewis das Buch „Dean and Me — A Love Story“. Aber auch solo begeistert er die Massen. Er dreht Kassenknüller wie „Der Regimentstrottel“, „Geisha Boy“ und „Geld spielt keine Rolle“. Als Höhepunkt seiner Blödelkunst gilt „Der verrückte Professor“ von 1963, der 33 Jahre später mit Eddie Murphy neu verfilmt wurde. „Mein Baby“ nennt Lewis den Film heute.

Der Autodidakt

Jerry Lewis wurde am 16. März 1926 als Joseph Levitch in Newark (New Jersey) geboren. Auch sein Vater war Komödiant; der Sohn russischer Juden tourte als Vaudeville-Mime durch die USA, seine Frau Rachel war Pianistin bei einem Radiosender. Jerry ist als Schauspieler Autodidakt. Er war mit der Sängerin Patti Palmer verheiratet und hat mit ihr sechs Söhne. Seine zweite Frau ist die ehemalige Las Vegas-Tänzerin SanDee Pitnick, sie heirateten 1983. Für seinen Einsatz im Kampf gegen Armut bekam Lewis 2009 einen Ehrenoscar.

Von Christina Horsten

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