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Der König der historischen Romane

Lübeck Der König der historischen Romane

Ken Follett ist ein Roman-Unternehmer. Er hat einen Stab von mehr als 30 Mitarbeitern, die für ihn studieren und recherchieren. Für die künstlerische Umsetzung ist dann der Meister zuständig. Und der hat bislang jeden Abgabetermin für ein Manuskript eingehalten. Jetzt ist Folletts neuer Bestseller „Das Fundament der Ewigkeit“ auf dem Markt.

Lübeck. Der Roman ist eine Fortschreibung der Geschichte des Baues einer gewaltigen Kathedrale im fiktiven Ort Kingsbridge, „Das Fundament der Ewigkeit“ ist nach „Die Säulen der Erde“ (1989) und „Die Tore der Welt“ (2007) der dritte Band dieser Reihe. Wieder sind Jahrhunderte vergangen, seit man in einer sumpfigen Niederung das große Gotteshaus errichtet hat. In England hat König Heinrich VIII. die Anglikanische Kirche etabliert, die Katholiken im Lande begehren immer stärker auf. Nach dem Tode Heinrichs kommt seine Tochter Elisabeth auf den Thron – eine überzeugte Protestantin, die das Blutvergießen aus religiösen Gründen endlich beenden will. In Frankreich stehen die protestantischen Hugenotten im Visier der militanten Katholiken – in diesem Land ist ein riesiges Blutvergießen unausweichlich. Und mittendrin in diesem unguten Kuddelmuddel bewegen sich die Figuren von Ken Follett – harte Zeiten.

Die Konstruktion des Romans, in dem die Kathedrale nur noch eine kleinere, aber dennoch wichtige Rolle spielt, erinnert an Charles Dickens’ „Eine Geschichte aus zwei Städten“, die 1859 zum ersten Mal erschien. Bei Dickens sind London und Paris während der Französischen Revolution die Schauplätze, bei Follett sind es Kingsbridge und Paris während der Glaubenskriege des 16. Jahrhunderts.

Im englischen Ort tobt die Auseinandersetzung zwischen Protestanten und Katholiken genauso brutal wie im Rest des Landes. Ned Willard, Sohn einer erfolgreichen Händlerin, schafft es bis in den ersten englischen Geheimdienst, den Königin Elisabeth einrichten ließ. Zuvor hatten böse Katholiken ihn und seine Familie um ihr Vermögen gebracht, einer der Söhne des korrupten Bürgermeisters wird zu einem Top-Spion der Katholiken. Die verfügen in Paris über einen noch skrupelloseren Agenten, der um des eigenen Vorteils willen Protestanten ausspioniert und verrät und so einen rasanten gesellschaftlichen Aufstieg mitmacht.

Die Schilderungen all der Massaker, Morde und Attentate sind durchaus drastisch, so kennt man es von Follett. Die Charaktere sind klar gezeichnet, es gibt nur Gute und Böse, wer sich über seine Rolle im großen Spiel um Macht und Liebe zu viele Gedanken macht, wird beseitigt oder durch irgendwelche Umstände wieder zurück ins Raster befördert. Auch das ist typisch für Ken Folletts Romane. Sie sind – bei aller manchmal vorhandenen Komplexität – im Prinzip simpel gestrickt. Folletts Sprache ist ebenso einfach, er will, dass möglichst viele Menschen mit seinen Texten etwas anfangen können – das ist ihm bei 160 Millionen verkauften Büchern eindrucksvoll gelungen.

„Das Fundament der Ewigkeit“ ist aber auch in anderer Hinsicht ein typischer Follett-Roman. Das Buch ist handwerklich gut gemacht, hier gibt es keine ins Leere laufenden Handlungsstränge oder Personen, die sich stillschweigend in Nichts auflösen. Vor allem aber ist dieser Roman spannend, ein „pageturner“, wie man in England sagt. Die fast 1200 Seiten lesen sich schnell, was auch daran liegt, dass die ganz großen Wendungen fehlen. Die Schlacht der Briten gegen die spanische Armada, die Bartholomäusnacht, die Pulververschwörung, die Hinrichtung Maria Stuarts: Follett lässt seine Geschichte um diese historischen Fakten herum wachsen. Das ist seine Technik – und die beherrscht er wie kein anderer Bestseller-Autor seiner Generation. Jürgen Feldhoff

„Das Fundament der Ewigkeit“ von Ken Follett, Lübbe, 1161 S., 36 Euro.

LN

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