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Kultur im Norden Der „König von St. Pauli“ ist tot
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20:23 17.09.2016

Energisch, streitlustig und doch sehr feinfühlig. Hilmar Thate war ein echter Vollblutschauspieler. Als aufmüpfiger Landwirt „Daniel Druskat“ stellte er sich im DDR-Fernsehen Manfred Krug als Film-Gegenspieler entgegen. Im wiedervereinigten Deutschland gewann Thate als „Der König von St. Pauli“ ein großes Fernsehpublikum. Am Theater brillierte der in Dölau bei Halle geborene Darsteller als „Mephisto“ und feierte als „Richard III.“ einen seiner größten Bühnentriumphe.

Hilmar Thate Quelle: dpa

Am Mittwoch starb Thate im Alter von 85 Jahren in Berlin, wie die Akademie der Künste gestern mitteilte. Um Thate und seine Ehefrau – „Paul und Paula“-Star Angelica Domröse (75) – war es in den vergangenen Jahren still geworden. Seit 40 Jahren waren die Eheleute verheiratet, die als glamourösestes „DDR-Film-Traumpaar“ verehrt wurden.

Thates Bandbreite als Schauspieler war legendär. Für Rainer Werner Fassbinder stand er für das Drama „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ vor der Kamera, das 1982 den Goldenen Bären der Berlinale gewann. In Volker Schlöndorffs „Der neunte Tag“ (2004) spielte Thate den Bischof Philippe.

Sein Debüt gab Thate bereits 1949 am Theater in Cottbus. Schon drei Jahre später spielte er erstmals in Ost-Berlin – rasch wurde er einer der gefeiertsten Bühnenstars der DDR. „Ich bin ein Kriegskind, nicht verwöhnt und hatte Glück“, meinte der Schauspieler einmal.

1976 unterzeichnete das Paar Thate/Domröse die Protesterklärung von zahlreichen DDR-Künstlern gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann und geriet aufs künstlerische Abstellgleis.

Als der Druck zu groß wurde, stellte das Ehepaar einen Ausreiseantrag und siedelte 1980 in den Westen über.

Beiden gelang es in der Bundesrepublik schnell, beruflich Fuß zu fassen. Thate arbeitete mit Regiegrößen wie George Tabori und Ingmar Bergman zusammen. Die Hauptrolle in Peter Zadeks Film „Jeder stirbt für sich allein“ (1980) gehörte zu Thates großen Erfolgen.

LN

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