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Kultur im Norden Der Krähenteich wurde zur Klassik-Arena
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19:21 04.07.2016

Der Krähenteich am Rande der Lübecker Altstadt ist ein ganz besonderes Idyll. Seit die Stadt in das dortige Freibad nicht mehr investieren wollte, wird es von einem rührigen Verein betrieben, der immer wieder neue Ideen umsetzt. „Live am Teich“ heißt eine musikalische Veranstaltungsreihe, und in der trat am Sonnabend erstmals ein Klassik-Ensemble auf.

„Aufbruch“ nennt sich das Streichorchester, das sich aus Profis der Lübecker Philharmoniker und Studierenden der Musikhochschule zusammensetzt (die LN berichteten). Und dieses Ensemble passte ganz hervorragend in das Ambiente am Krähenteich.

Barocke Kompositionen und Werke der zeitgenössischen Minimalisten Arvo Pärt und Steve Reich hatten die „Aufbruch“-Musiker für ihr erstes Programm ausgewählt. Mit Vivaldi macht man selten etwas falsch, das Concerto Grosso in g-Moll war ein bestens geeigneter Einstieg in das ungewöhnliche Konzert. Das Publikum saß auf Bänken und Stühlen, auch die Liegestühle des Freibades wurden eifrig genutzt. Musikerinnen und Musiker in Schwarz, das Publikum in Räuberzivil: So überwindet man Schwellenängste.

Nicholas Hancox dirigierte seine wohlklingende Truppe mit großer Präzision, der Klang war ausgesprochen differenziert, und das trotz aller Einschränkungen, die ein Freiluft-Auftritt eben mit sich bringt. Nicht ganz glücklich gewählt für diese Umgebung war allerdings das frühe Werk „Fratres“ von Arvo Pärt. Es beginnt sehr leise und meditativ – in diese Stimmung hinein läuteten um 20 Uhr die Glocken, Kinder spielten lautstark am Ufer und die Vogelwelt trug bei ihren abendlichen Rundflügen auch dazu bei, den Lärmpegel zu erhöhen. Zu hören war dennoch ein großartiger Geigen-Solist John Doig, der alle Schwierigkeiten von Pärts Partitur mit Leichtigkeit meisterte.

Nach der Pause dann wieder Barockmusik von Locatelli, ehe das gewichtigste Werk des Programms erklang. Steve Reichs Triple Quartet ist ein Klassiker der Minimal Music. Mit Eleganz und Präzision spielte das Ensemble diese ewige Wiederkehr des Gleichen, das Werk entwickelte schon im ersten Satz einen ganz großen Sog. Das Publikum war begeistert.

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