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Kultur im Norden Der Krimi zum NSU-Prozess
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18:17 29.12.2015

Am 4. November 2011 sterben in einem brennenden Wohnmobil in Eisenach die beiden Rechtsradikalen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Offiziell war es Selbstmord. Doch war es nicht vielmehr Mord? Ein geheimnisvoller Mann erteilt Georg Dengler den Auftrag, der Sache auf den Grund zu gehen. Der klamme Stuttgarter Privatdetektiv bringt beim Aktenstudium immer mehr Widersprüche und Vertuschungen ans Licht. Dengler scheint einem ungeheuerlichen Skandal auf der Spur.

Wolfgang Schorlau (64) ist der wahrscheinlich politischste Krimi- Autor Deutschlands. Sein Privatdetektiv Dengler ermittelte bereits im Fall des Attentats auf den Treuhand- Chef Detlev Rohwedder, und er rollte den Oktoberfestanschlag neu auf. In beiden Fällen verwob Schorlau Fakten und Fiktion eng miteinander. Dieses Prinzip hat er nun in „Die schützende Hand“ perfektioniert. Angesichts des zurzeit in München laufenden Prozesses gegen Beate Zschäpe, der einzigen Überlebenden des NSU-Mörder- Trios, bekommt Schorlaus Buch eine ganz besondere Brisanz.

Im Zentrum steht der Tathergang von Eisenach. Beunruhigend viele Fragen bleiben offen: Ist der zeitliche Ablauf wirklich schlüssig nachgewiesen, sind die Indizien überzeugend, die Motive für den Selbstmord einleuchtend oder wirkt das Ganze nicht doch eher inszeniert? Tatsächlich — und das ist das Erschreckende — kann der Autor belegen, dass hier nicht nur Behördenschlamperei, sondern auch Irreführung durch den Thüringer Verfassungsschutz vorliegt.

Schorlau hat seinem Meisterdetektiv den gewieften Marius Brauer vom Erfurter LKA an die Seite gestellt. Zusammen enthüllen sie ein Netz aus Neonazis und V-Männern, das das Land mit seinen Machenschaften überzieht.

Ob es sich im Fall NSU tatsächlich um ein „Staatsverbrechen“ handelt, wie der Autor im Nachwort meint, sei dahingestellt. Doch Wolfgang Schorlaus Roman ist immerhin so überzeugend und aufwühlend, dass man ihn mit einem mehr als mulmigen Gefühl beiseitelegt.

„Die schützende Hand — Denglers achter Fall“ von Wolfgang Schorlau, Kiepenheuer & Witsch, 382 S., 14,99 Euro

Sibylle Peine

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