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Der Lehrer, der über Nacht zum Dichter wurde

Der Lehrer, der über Nacht zum Dichter wurde

Menschen, die Lyrik in freiem Rhythmus schreiben, Verse, die keinen Reim kennen – müssen solche Menschen nicht etwas wunderlich sein?

Menschen, die Lyrik in freiem Rhythmus schreiben, Verse, die keinen Reim kennen – müssen solche Menschen nicht etwas wunderlich sein? Klaus Rainer Goll, geboren 1945 in Lübeck, war bis 2008 Realschullehrer, was dafür spricht, dass er kein Wirrkopf ist. Ein Außenseiter und Esoteriker ist er sowieso nicht – er gründete 1980 den Lübecker Autorenkreis, ist also ein sozialer Künstler. Das einzig Radikale an Goll ist die kompromisslose Kleinschreibung: „denn alles sind spuren“ heißt sein soeben erschienener siebter Gedichtband, das Ergebnis von zehn Jahren Spracharbeit.

 

LN-Bild

Klaus Rainer Goll (70).

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Golls Gedichte handeln von Begegnungen mit anderen, namhaften Autoren und deren Werk, er hadert mit dem Vergehen von Zeit („immer fallen die blätter / zu früh...“), und er reibt sich gerne an Günter Grass: „was der schnecke / das wasser / ist ihm / das wort“. Beim Weichtier verhindert das Nass das Austrocknen, ist wohl gemeint. So direkt sind Golls Gedanken.

„In der kindheit“ ist das anrührendste Gedicht überschrieben, das verrät, warum Goll Lyrik verfasst: „das große schweigen / zu hause / hat mich zum schreiben / gebracht / / über nacht zum dichter gemacht / zum rufer / in einsamer wüste / von der ich weiß // dass / sie lebt.“

„denn alles sind spuren“, Gedichte von Klaus Rainer Goll, Elfenbein-Verlag, 168 S., 19 Euro. Lesung: Di., 17. Mai, 19.30 Uhr, Buddenbrookhaus Lübeck.

mib

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