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Der Lido als Startrampe für die Oscars

Der Lido als Startrampe für die Oscars

Die Filmfestspiele in Venedig geben einen Ausblick auf die Kandidaten für den Academy Award.

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Venedig. Die Bilder ähneln sich von Jahr zu Jahr: Hollywoodstars kommen zu den heute beginnenden Filmfestspielen per Boot am Lido von Venedig an. Wind, Wasser, Sonne und die historische Stadtkulisse geben den perfekten Hintergrund ab für eine Glorifizierung des Kinos, wie sie sonst nirgendwo mehr möglich scheint. Gleichzeitig merkt man hier, beim ältesten Filmfestival der Welt, besonders stark, wie sich das Filmgeschäft verändert. Noch vor Jahren galt die „Mostra“, wie die Italiener das Filmfestival von Venedig nennen, als Kultstätte des europäischen Kinos.

In letzter Zeit jedoch hat sie sich einen Ruf als ideale Startrampe für mögliche Oscar-Kandidaten erworben. Mit Filmen wie „Gravity“, „Birdman“, „Spotlight“ und zuletzt „La La Land“ feierten in den letzten vier Jahren spätere Oscar-Gewinner ihre Premiere am Lido. In Zeiten, in denen Sequels und Superhelden-Filmen mehr Aufmerksamkeit zukommt als Hollywood-Dramen, ist der Schub, den ein Filmfestival liefern kann, zum entscheidenden Faktor geworden.

Sechs Filme sind in diesem Jahr dazu ausersehen, zwischen dem 30. August und 9. September in Venedig ihre erste Feuerprobe als mögliche Oscar-Kandidaten zu bestehen. Da gibt es die Science-Fiction-Sozialsatire „Downsizing“ von Alexander Payne, in der Matt Damon in der Hauptrolle sich auf Daumengröße schrumpfen lässt. Damon spielt auch die Hauptrolle in George Clooneys Krimikomödie „Suburbicon“, die in einer braven amerikanischen Vorstadt der 50er Jahre spielt. Das Drehbuch stammt ursprünglich von den Brüdern Joel und Ethan Coen – und lässt auch deren typische Mischung aus drastischer Gewalt und galligem Humor erwarten.

Der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro präsentiert seinen neuen Film „The Shape of Water“. Das paranormale Märchen ist Anfang der 60er Jahre in Amerika angesiedelt und soll die paranoide Stimmung des Kalten Kriegs spiegeln. Ähnliches war Del Toro vor Jahren schon am Beispiel des spanischen Faschismus im Horrorfilm „Pans Labyrinth“ gelungen. Mit den Mitteln des Horrorgenres arbeitet auch der amerikanische Regisseur Darren Aronofsky, der mit dem Mystery-Thriller „Mother!“

antritt.

Als sichere Kandidatin für den Darstellerinnen-Oscar gilt fast unbesehen Francis McDormand. In „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ des irischen Regisseurs Martin McDonagh verkörpert sie eine Frau, die mit unkonventionellen Mitteln um die Aufklärung des Mordes an ihrer Tochter kämpft. Als mögliche Favoriten für die Schauspieler-Oscars werden ebenso Helen Mirren und Donald Sutherland gehandelt, die im englischsprachigen Debüt des italienischen Regisseurs Paolo Virzì, „The Leisure Seeker“, auftreten.

Auch bei den nicht-englischsprachigen Titeln im Wettbewerb sind die Erwartungen in diesem Jahr groß. So tritt mit „Foxtrott“ der neue Film des israelischen Regisseurs Samuel Maoz im Wettbewerb an. Maoz hatte mit seinem packenden Kriegsdrama „Lebanon“ 2009 den Goldenen Löwen gewonnen. Der Dokumentarfilm des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, „Human Flow“, der sich der weltweiten Flüchtlingskrise annimmt, rundet ein Programm ab, das wie selten von extremer Abwechslung der Genres und Themen geprägt ist.

Veränderungsbereitschaft beweist das altehrwürdige Festival mit der Einführung einer neuen Wettbewerbssektion für Virtual-Reality-Filme. Und mit der Premiere zweier Netflix-Serien – der ersten italienischen Eigenproduktion „Suburra“ und dem Mix aus Langzeitdoku und Nachspiel eines Falls aus dem Kalten Krieg von Errol Morris, „Wormwood“ – kommt auch das Fernsehen nicht zu kurz.

Diese Jury vergibt den Goldenen Löwen

Die Hauptpreise der Filmfestspiele Venedig werden von einer internationalen Jury vergeben. Präsidentin der neunköpfigen Jury ist in diesem Jahr Annette Bening. Die 59-jährige US- Schauspielerin und Ehefrau von Warren Beatty (80) wurde 1999 mit „American Beauty“ bekannt. Für ihre Leistungen erhielt sie zwei Golden Globes. Zur Jury zählen auch die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi (61), die in diesem Jahr in Berlin den Goldenen Bären gewann, die britische Schauspielerin Rebecca Hall, der britische Regisseur Edgar Wright und die französische Schauspielerin Anna Mouglalis.

Barbara Schweizerhof

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