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Kultur im Norden Brillante Bühnen-Bilder
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17:12 06.12.2018
Peter Grünig mit seiner Version von Grass’ Oskar Matzerath. Grünig spielte am Lübecker Theater Alfred Matzerath. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Professor Unrat, Hans-Dietrich Genscher, Alfred Matzerath – alle tragen Grünigs Züge. Natürlich, er hat sie auf der Bühne verkörpert und sich in der Rolle auf den Textbüchern gezeichnet. Das hat Beate Schaefer gesehen, die als Souffleuse am Lübecker Theater arbeitet und eine Galerie in der Großen Burgstraße betreibt. Zum einjährigen Jubiläum der Galerie präsentiert sie unter dem Motto „Drawing me crazy“ bis Ende des Jahres nun die Theater-Zeichnungen von Peter Grünig und seine Skulpturen. „Die Zeichnungen mit Kugelschreiber, Bleistift, Textmarker oder Buntstift sind barock und expressiv. Wie Peter Grünig“, sagt Beate Schaefer.

Vom Bühnenbildner zum gefragten Schauspieler

Theatergänger, die Grünig aus Stücken wie „Die Blechtrommel“, „Willy Brandt“, „Der blaue Engel“ und aktuell „Ronja Räubertochter“ und „Berlin Alexanderplatz“ kennen, lernen das kreative Kraftpaket nun auch von einer anderen Seite kennen. Gemalt und modelliert habe er eigentlich seit er denken könne, erzählt der Schauspieler. Geboren wurde er 1955 in der Schweiz als Sohn deutsch/italienischer Eltern. Nach dem Abi besuchte er das Aargauische Lehrerseminar. „Ich wollte eigentlich Grafiker werden, habe die Lehrstelle aber nicht angetreten.“ Statt dessen nahm er eine Assistentenstelle als Bühnenbildner an. „Bei einer Inszenierung sollte ich direkt auf der Bühne malen, bekam dann auch ein paar Sätze, und dann ging es los.“

Er hatte Blut geleckt, studierte an der Schauspielakademie in Zürich, übernahm nach etlichen Engagements in Deutschland und der Schweiz die Oberspielleitung am Westfälischen Landestheater, gründete das Kinder- und Jugendtheater Frapé, schaute bei Film und Fernsehen vorbei, bis es ihn in den Norden zog. Nach einem Engagement am Volkstheater Rostock, wo er auch als Autor, Regisseur und Bühnenbildner tätig war, gehörte er von 2010 bis 2014 zum Schauspielensemble des Theater Lübeck und ist jetzt als freischaffender Schauspieler in zahlreichen Inszenierungen zu sehen.

Zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust

Die Zeichnungen auf den Textbüchern seien für ihn wie „Gedankenstützen“. So hat er für seine Rolle als Konstantin von Essenbeck in „Der Fall der Götter“ sein Kostüm detailgenau skizziert und beschrieben: Uhr, Fliege, Ring, keine Socken, kleiner Schuhlöffel. „Ich musste mich mehrfach umziehen, daher waren diese Erinnerungen wichtig.“ Beim „Blauen Engel“ ist als Notiz „Köfferchen klären“ zu lesen.

Zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust: Das Bühnenspiel einerseits, das Malen beim Textlernen und auch in Öl oder Acryl andererseits „Es war immer wie ein Riss, mit dieser Ausstellung kommt beides nun zusammen“, sagt Grünig. Während die Textbuch-Illustrationen erstmals öffentlich zu sehen sind, waren seine Skulpturen bereits ausgestellt – im vergangenen Jahr im „Fund:us“. Den Lübecker Kunst-Verein hat er 2014 mitgegründet, um die freie Lübecker Kunstszene zu beleben. In diesem Jahr war er bei der Jahresschau der Lübecker Künstler vertreten.

Treibgut aus Griechenland wird zur Kunst

Für seine Plastiken sammelt Grünig Treibholz am Strand, verarbeitet auch andere Fundstücke wie Metall, Horn und Knochen. Oft kommen Materialien und Inspiration von der griechischen Insel Samothraki, wo er seit Jahren mit seiner Frau Urlaub macht. „Ich kann nicht lange am Strand liegen. Dann sammle ich lieber Dinge und schnitze.“

Gleich zu Beginn der Ausstellung hängt ein Blatt aus dem Textbuch zu „Warten auf Godot“. Darauf steht: „Der Schauspieler ist ein Haus, bei dem stets alle Türen und Fenster offen stehen.“ Mit dieser Ausstellung gewährt Grünig neue Einblicke in sein Haus.

Info:Vernissage ist am Sonnabend, 8. Dezember, um 17 Uhr in der Galerie NausigkaART, Große Burgstraße 24. Die Arbeiten können einzeln oder als Serie erworben werden.

Die Ausstellung ist bis zum 29. Dezember von Mittwoch bis Sonnabend von 15 bis 18 Uhr geöffnet und nach persönlicher Vereinbarung unter. Telefon 0163 7640300, Mail: info@beate-schaefer.de

Petra Haase

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