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Der Maler der vielen Stilarten

Cismar Der Maler der vielen Stilarten

Im Kloster Cismar eröffnet das Landesmuseum am Sonntag eine Ausstellung mit Werken des in Henstedt-Ulzburg lebenden Künstlers Albert Christoph Reck.

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Hagen ersticht den trinkenden Siegfried – eines der vielen Sagen-Motive im Werk von Albert Christoph Reck.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Cismar. Man ist verblüfft, wenn man durch die Ausstellung in den Räumen des ehemaligen Klosters in Cismar wandelt. Mal meint man, Bilder von Max Beckmann zu sehen, dann wieder Kunstwerke von Joan Miró oder Oskar Kokoschka. Auch Paul Klee scheint seine Spuren in den Gemälden und Zeichnungen hinterlassen zu haben, Marc Chagall sowieso. Aber alle 70 Werke stammen von Albert Christoph Reck, der im Juli 95 Jahre alt wird und immer noch künstlerisch aktiv ist.

LN-Bild

Im Kloster Cismar eröffnet das Landesmuseum am Sonntag eine Ausstellung mit Werken des in Henstedt-Ulzburg lebenden Künstlers Albert Christoph Reck.

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Albert Christoph Reck stammt aus Oberschlesien, in Krappitz an der Oder wurde er 1922 geboren – ein erster Bezug zum Wasser, das später viele seiner Bilder prägen sollte. Mit 16 Jahren machte er eine Ausbildung zum Schiffsjungen in Bremen, 1941 kam er zur Marine und wurde im Zweiten Weltkrieg im Schwarzen Meer eingesetzt, nach Kriegsende kam er nach Norddeutschland. Reck studierte in Hamburg bei Alfred Mahlau, anschließend in Nottingham und Paris. Ab 1952 war er freischaffend in Hamburg tätig. Nachdem ihn ein Schiffsreisestipendium 1962 erstmals nach Afrika geführt hatte, übersiedelte er ein Jahr später mit seiner Familie nach Südafrika und später nach Swasiland. 1970 kehrte die Familie mit ihren acht Kindern zurück nach Deutschland, 1976 reisten die Recks mit einem eigenen Segelboot zurück nach Afrika, wo sie bis 2003 in Swasiland lebten. 2003 kehrten Reck und seine Frau nach Hamburg zurück.

Die Malerei von Albert Christoph Reck ist äußerst vielfältig, die Ausstellung in Cismar gleicht einer Reise durch Raum und Zeit von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart – das letzte großformatige Bild Recks stammt aus dem Jahr 2016. Die vielen verschiedenen Stile, die Reck zu einer ganz eigenen künstlerischen Handschrift verband, sind in den im ersten Stock gelegenen Ausstellungsräumen deutlich zu erkennen. Wie, um sich seiner selbst immer wieder sicher zu sein, hat Reck immer wieder Selbstporträts gemalt. Eines zeigt ihn als Kokoschka – die Ähnlichkeit zu den Menschenbildern des Österreichers ist unübersehbar.

Recks Malerei bewegt sich stets im gegenständlichen Bereich, wenngleich häufig auch an dessen Grenzen. In einigen späten Gemälden sind die Formen so weit aufgelöst, dass eine enge Beziehung zu den Bildern des Katalanen Joan Miró erkennbar wird. Auch die Farbigkeit ist ebenso stark wie in Mirós Fantasiewelten.

Dabei malte Reck fast immer ohne großen Plan, wie seine Tochter Genoveva Reck-Thomas gestern bei der Vorstellung der Ausstellung sagte. Obwohl ihr Vater ein sehr guter Zeichner ist, entstanden viele Bilder ohne Vorarbeiten, sagte sie weiter. Die Spontaneität dieser Bilder erklärt sich aus dieser Art zu malen.

Im Obergeschoss des Ausstellungsbaus sind die Bilder nicht mehr chronologisch, sondern nach Themenbereichen geordnet. Hier kann man erkennen, dass ein helles Blau die Lieblingsfarbe des Malers ist, man kann auch nachvollziehen, wie wichtig für ihn Motive aus der Märchen- und Sagenwelt sind. Auch der Bebilderung literarischer Themen hat er Zeit gewidmet.

Zu den Besonderheiten der Ausstellung gehören auch Webarbeiten, für die Reck die Vorlagen zeichnete und die entweder von seiner Frau Maria-Louise oder von Schülerinnen der von den Recks in Swasiland gegründeten Bildweberei Phumalanga hergestellt wurden. Auch ein Art and Craft Center bauten die Recks in dem kleinen afrikanischen Land auf.

Die Malerei von Albert Christoph Reck bezieht sich mehr oder weniger direkt auf viele Vorbilder – epigonal ist sie dennoch nicht, dieser Gefahr ist der Künstler immer entgangen, gelegentlich auch nur knapp. Die Verdichtung von Motiven etwa ist ohne die Arbeit von Max Beckmann nicht zu denken, die schwebenden Figuren Recks sind in ihrer vorgeblichen Naivität sehr dicht bei Marc Chagall. Dennoch ist das Lebenswerk Recks etwas ganz eigenes.

Recks Phantasie

„Ich habe einen Vogel“ lautet der Titel der Ausstellung mit Werken von Albert Christoph Reck, die am Sonntag um 12 Uhr im Kloster Cismar eröffnet wird und bis zum 29. Oktober zu sehen ist. Der Titel ist der Beginn eines Zitats von Reck: „Ich habe einen Vogel, der heißt Phantasie“. Davon kann man sich in der Ausstellung überzeugen, zu der die Dependance des Landesmuseums ein reichhaltiges Begleitprogramm bietet. www.schloss-gottorf.de

Jürgen Feldhoff

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