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Kultur im Norden Der Malerfürst, der keiner sein will
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18:16 22.04.2016

Markus Lüpertz ist ein widersprüchliches Phänomen. Einerseits stilisiert er sich mit edlem Zwirn und Gehstock zum Dandy, anderseits findet er das Attribut „Malerfürst“, das er sich mit seinem Auftreten erworben hat, „widerlich“; einerseits gibt er den unnahbaren Großmogul, andererseits konnte man vor drei Jahren im Lübecker Grass-Haus erleben, wie er ganz unprätentiös die Wände mit seinen Gedichten über Krieg, Liebe und Tod beschrieb und leutselig über seine Arbeit Auskunft gab. Und er sorgte dafür, dass seine Plastik „Odysseus“ vor dem Holstentor aufgestellt und geduldet wurde. Lüpertz ist zwar einer der bedeutendsten Gegenwartskünstler, doch er ist kein Menschenfeind wie einige seiner Kollegen. Als soziales Wesen wagt er sich in die Öffentlichkeit, als Rektor der Kunstakademie Düsseldorf hielt er von 1988 bis 2009 großzügig Hof mit Festen und Bällen. „Liebt den boheme, ich bin ein boheme, liebt mich“, lautet eine seiner Gedichtzeilen.

Lüpertz mit seinem „Odysseus“ 2013 am Holstentor. Quelle: Malzahn

Am Montag wird Markus Lüpertz 75 Jahre alt, doch was heißt bei einem wie ihm schon alt? „Ich kann mir das nicht vorstellen, alt zu werden“, sagte er soeben. „Das Leben macht mir einen Riesenspaß.“

Und so prunkt er weiter mit wuchtig-expressiven Gemälden, auf denen er erdige Gestalten mit viel Ölfarbe modelliert. Lüpertz hat immer gegenständlich gemalt, auch seine Bronzeskulpturen zeigen vor allem Personen. Doch genau dadurch hat er das Publikum irritiert. Denn die aufdringliche Körperlichkeit des Dargestellten empfinden einige Zeitgenossen als hässlich. In Augsburg verhinderten Bürger die Aufstellung der Brunnenfigur „Aphrodite“, die sich in den Schritt fasst. Der Künstler selbst sieht bei solchen Objekten „die Einfachheit des Archaischen“ verwirklicht.

Die Lüpertz-Figuren sind trotz aller Anfeindungen omnipräsent. So nahm die üppige „Philosophin“ 2001 im Berliner Kanzleramt Aufstellung. Damals war Lüpertz‘ Freund Gerhard Schröder dort zuhause. Beide vereint ein Hang zu kulinarischer Lebensführung.

Von mib

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