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Der Mann, der die NDR-Sinfoniker zum Strahlen bringt

Lübeck Der Mann, der die NDR-Sinfoniker zum Strahlen bringt

Krzysztof Urbanski, der neue Erste Gastdirigent, interpretiert jeden musikalischen Hauch mit den Händen.

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Krzysztof Urbanski und die NDR-Sinfoniker.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. Zu einem strahlenden Jahresausklang wurde das NDR-Sinfoniekonzert in der sehr gut besuchten Rotunde der Lübecker Musik- und Kongresshalle. Die renommierten Musiker spielten unter der Leitung ihres 33-jährigen neuen Ersten Gastdirigenten Krzysztof Urbanski. Dieser außergewöhnliche Mann tat viel mehr als viele seiner Kollegen, die sich vor allem routiniert durchs Metrum und die Dynamik arbeiten — Urbanski lebte die Musik. Er interpretierte jeden musikalischen Hauch mit den Fingern. Das Orchester folgte ihm wie dem Rattenfänger, solch ein Sog ging von ihm aus.

Der Abend begann mit Antonin Dvoráks letztem Orchesterwerk, dem „Heldenlied“, komponiert 1897. In dieser Sinfonischen Dichtung op. 111 war der junge polnische Dirigent ganz klar. Allein durchs Zuschauen wurde die musikalische Form deutlich. Urbanski hat eine ungewöhnlich sprechende Mimik, er dirigierte auswendig, wirkte stets tiefenentspannt und souverän. Das Orchester strahlte, was bei den NDR-Profis, die in einer Spielzeit viele Dirigenten vor sich sehen, wahrlich nicht immer der Fall ist.

Nach diesem bemerkenswerten Auftakt ging es hochklassig weiter — mit Dmitrij Schostakowitschs Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester in c-Moll op. 35 von 1933. Mit dem kroatischen Pianisten Dejan Lazic und dem französischen Trompeter Guillaume Couloumy betraten zwei weitere Ausnahmemusiker die Bühne. Die Trompete glänzte vor allem mit virtuosen Einwürfen, kurzen, gebündelt wirkenden Passagen, die der Solo-Trompeter des NDR virtuos ausführte. In der Pause wurde er von seinen Lübecker Studenten begeistert in Empfang genommen, denn Couloumy ist auch Dozent an der Lübecker Musikhochschule. Der Pianist wirkte wie ein Tüftler am Klavier, ultragenau arbeitete er die feinsten dynamischen Facetten heraus. Seine Virtuosität war ebenso glanzvoll wie unaufdringlich. Das durch zahlreiche musikalische Zitate und Anleihen geprägte Werk glitzerte unter seinen Händen.

Der zweite Teil des Abends war dann Maurice Ravels berühmter Orchesterfassung von Modest Mussorgskis Tongemäde „Bilder einer Ausstellung“ gewidmet. Hervorragend arbeiteten Dirigent und Orchester die lautmalerischen Szenen heraus. Dieses Werk wurde tatsächlich zu einem fantasievollen musikalischen Spaziergang, mit viel Dramatik, Witz und Augenzwinkern. Es gab langen Applaus für eine tiefe und sehr emotionale Deutung.

Cornelia Schoof

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