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Kultur im Norden Der Mann mit dem Haifischgrinsen
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18:14 21.04.2017

. Könnte Toni Erdmann mit seinem Spaß-Gebiss den Hollywood-Veteranen Jack Nicholson aus dem Ruhestand locken? Der dreifache Oscar-Preisträger, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, stand zuletzt 2010 für die Liebeskomödie „Woher weißt du, dass es Liebe ist?“ mit Reese Witherspoon vor der Kamera, allerdings nur in einer kleinen Nebenrolle. Umso mehr horchten die Nicholsons-Verehrer auf, als im Februar Berichte über ein geplantes US-Remake von Maren Ades Hit-Komödie „Toni Erdmann“ durch Hollywood kursierten.

Offiziell ist noch nichts bestätigt, aber mit Maren Ade hätte der Hollywood-Star schon einen Fan sicher. Er sei einer der besten Schauspieler überhaupt, sagte die deutsche Regisseurin Ende Februar nach ihrem „Spirit Award“-Gewinn für „Toni Erdmann“.

Nicholson hat wenig ausgelassen in seinem Leben. Er hat fünf Kinder von vier Frauen, die Ehe probierte er nur einmal aus, 1962 bis 1968 mit Schauspielkollegin Sandra Knight. Mit Anjelica Huston, Tochter von US-Regisseur John Huston, führte er 13 Jahre lang eine stürmische Beziehung. Sie zerbrach endgültig, als er die beste Freundin seiner Tochter Jennifer, das Model Rebecca Broussard, schwängerte.

Nicholson war 1937 als uneheliches Kind einer 18-jährigen Tänzerin in New Jersey zur Welt gekommen. Er wuchs bei ihren Eltern auf und erfuhr erst mit 37 Jahren, dass seine ältere „Schwester“ June in Wahrheit seine Mutter war.

Seine große Hollywood-Karriere fing klein an, mit Botenjobs in der Trickfilmabteilung von Metro- Goldwyn-Mayer. Eine seiner ersten Filmrollen verdankte er dem Trash-Meister Roger Corman in dem Gruselwerk „Little Shop of Horrors„ („Der kleine Horrorladen“). Seinen Durchbruch feierte er als alkoholsüchtiger Rechtsanwalt George Hanson in dem Road- Movie „Easy Rider“

(1969). Der Film mit Henry Fonda und Dennis Hopper als Motorradfahrer auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer wurde zum Klassiker. Nicholson brachte er die erste von zwölf Oscar-Nominierungen ein.

Den ersten Oscar als bester Hauptdarsteller verdiente er sich als Insasse einer Irrenanstalt. Die zerrissene, rebellische Figur des aufmüpfigen Klinikpatienten Randle McMurphy im vielfach preisgekrönten Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ von 1975 ist bis heute seine Paraderolle.

Es folgten Hits wie Roman Polanskis „Chinatown“ (1974), Stanley Kubricks „The Shining“ (1980) und „Die Ehre der Prizzis“ (1985). Seine beiden weiteren Oscars nach dem „Kuckucksnest“ erhielt er für seine Rolle als ehemaliger Astronaut und Säufer in „Zeit der Zärtlichkeit“ (1983) und als grantiger Neurotiker in der sarkastischen Komödie „Besser geht’s nicht“ (1997). Dazwischen zeigte er als Joker in der Comic-Verfilmung „Batman“ (1989) sein diabolisches Grinsen.

Eine neue Seite offenbarte der Altmeister 2002 in Alexander Paynes Tragikomödie „About Schmidt“, in der er ohne jede Eitelkeit auch die hässlichen Spuren des Alterns zeigt. In „Was das Herz begehrt“

(2003) mit Diane Keaton war Nicholson in einem wenig kleidsamen Krankenhaushemd und mit blankem Po zu sehen. In „Das Beste kommt zum Schluss“ spielt er einen schwer krebskranken Mann mit kahlem Schädel und zerfurchten Gesichtszügen.

„Ich wollte immer ein Charakterschauspieler sein“, sagte Nicholson 2008 bei der Deutschlandpremiere der Tragikomödie in Berlin. „Ich habe bislang kaum einen Schauspieler mit weniger Eitelkeit gesehen“, pflichtete Regisseur Rob Reiner („Harry und Sally“) bei. „Aber in Wirklichkeit halte ich mich natürlich für den schönsten Menschen der Welt“, fügte Nicholson scherzhaft hinzu.

Barbara Munker

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