Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Der Mann mit der Leica: Jim Rakete wird 65

Berlin Der Mann mit der Leica: Jim Rakete wird 65

Fotografen-Legende hatte unzählige Stars vor der Kamera — Ein leidenschaftlicher Anhänger der analogen Fotografie.

Voriger Artikel
„Meine Tour war nicht sinnlos, aber sie war sinnfrei“
Nächster Artikel
Nymphe von Boltenhagen spielt eine Rolle im Roman „Sanja“

Rakete lichtet nicht nur Popstars ab, hier erwischte er den SPD-Politiker Franz Müntefering an der Schreibmaschine.

Quelle: Fotos: Jim Rakete, Dpa

Berlin. Einen besseren Künstlernamen könnte man sich nicht ausdenken. Günther „Jim“ Rakete wurde er in die Wiege gelegt — vor genau 65 Jahren. „Ich brauche meine Leica und sonst nichts“: So hat Jim Rakete, Deutschlands Starfotograf Nummer eins, seine Arbeit einmal beschrieben. Am Neujahrstag wird der Berliner Künstler 65 Jahre alt — und ist immer noch ein leidenschaftlicher Anhänger der klassischen analogen Fotografie. Der digitalen Fotografie steht er ablehnend gegenüber.

Seine dichten, meist schwarz-weißen Porträts von Prominenten sind längst Legende, von Samuel Beckett bis Helmut Schmidt, von David Bowie über Jimi Hendrix und Mick Jagger bis Natalie Portman. Er habe einfach nur herausragende Menschen fotografiert, sagte er einmal in einem Interview. „Dass sie später bekannt wurden, okay, das war ein Glücksfall.“

Sein eigentlicher Vorname ist Günther. Den ungewöhnlichen Familiennamen verdankt er seinen hugenottischen Vorfahren Raquette, die  ein deutscher Standesbeamter einst vereinfacht als Rakete ins Stammbuch eintrug. Schon mit vier Jahren bekam er seine erste Kamera, noch während der Schulzeit arbeitete er professionell für Zeitungen, Magazine und Agenturen. Ihn habe schon „immer fasziniert, dass man da eine Box hat, mit der man die Zeit anhalten kann“.

In seinem Kreativlabor „Fabrik“ in Berlin-Kreuzberg widmete sich Rakete anfangs vor allem den Größen der Musikszene, zugleich war er als Manager für Stars wie Nina Hagen, Nena, Spliff und Die Ärzte aktiv. Ab 1986 konzentrierte er sich ganz auf die Fotografie. Nach Stationen in Hamburg und Los Angeles kehrte er 2001 nach Berlin zurück.

Zu den großen Projekten des Künstlers gehörte die Ausstellung „Stand der Dinge“ (2011) mit Porträts von Kinostars für das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt. Entstanden ist eine Porträtreihe — den Titel hat sich Jim Rakete von Wim Wenders geborgt —, die ursprünglich als überschaubare Hall of Fame geplant war, sich dann aber zu einer umfangreichen Schau für die neuen Ausstellungsräume des Filmmuseums entwickelte. Mit der Aktion sollten Finanzlücken bei der Finanzierung des Umbaus des Museums gestopft werden.

Auch die Mitglieder der Berliner Philharmoniker und des Wiener Burgtheaters zeigte er als Serie. Daneben engagiert sich Rakete immer wieder auch für soziale Anliegen wie ein SOS-Kinderdorf in Maputo, Straßenkinder in Berlin oder Jugendliche in Not.

Nada Weigelt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden