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Der Mann mit der markanten Stimme

Hamburg Der Mann mit der markanten Stimme

„Hier ist ein Verrückter“: Die Theaterkarriere von Uwe Friedrichsen begann 1956 bei Gustav Gründgens. Jetzt ist der als TV-Zollfahnder Zaluskowski bekannt gewordene Hamburger Darsteller mit 81 Jahren gestorben.

Hamburg. . Schon als Schüler wusste Uwe Friedrichsen, dass er Schauspieler werden wollte. Zunächst spielte der norddeutsche Jung mit den blonden Haaren und den blauen Augen noch in einer Laiengruppe der Volkshochschule, gründete später mit Freunden ein kleines Theater, bis er mit 22 Jahren vor niemand Geringerem als Gustaf Gründgens auf der Bühne des Hamburger Schauspielhauses stand. Zuvor war bereits Ida Ehre, legendäre Prinzipalin der Hamburger Kammerspiele, auf den jungen Nachwuchsmann aufmerksam geworden.

„Hier ist ein Verrückter“, berichteten Gründgens Assistenten, als Friedrichsen mit Maske, Kostüm und Requisiten zum Vorsprechen kam. Offenbar hatte auch Gründgens schon von dem ebenso talentierten wie ambitionierten Jung-Mimen und seinem innovativen „Theater 53“ gehört, an dem sich Friedrichsen drei Jahre ausprobiert und die Schauspielerei selbst beigebracht hatte. Jedenfalls fand der Bewerber Einlass und kurz darauf auch ein Engagement an der berühmten Hamburger Bühne mit dem noch berühmteren Intendanten mit seinem hohen Anspruch — der sich später auch beim gereiften Schauspieler Friedrichsen wiederfand. In der legendären „Faust“-Inszenierung spielte Friedrichsen neben Gründgens als Mephisto und Will Quadflieg als Faust den Schüler. „Ich habe ungeheuer viel von ihm gelernt. Ohne Gründgens wäre ich heute nicht der, der ich bin“, sagte Friedrichsen später.

Seine Eltern wollten, dass er „etwas Anständiges“ lernt. Und das bedeutete in Hamburg: eine Lehre als Import-/Exportkaufmann. Der Großvater, bei dem der Junge aufwuchs, hielt seinen Berufswunsch „für absolute Spinnerei“. Doch als sein Enkel in der ersten deutschen TV-Serie, „Familie Schölermann“, den Schwiegersohn in spe spielen durfte, war auch er überzeugt: Kurzerhand besorgte er einen Fernseher und stellte ihn im „Dorfkrug“ in Kattendorf (Kreis Segeberg) auf, damit alle den Auftritt im Fernsehen miterleben konnten.

Bis 1968 gehörte Friedrichsen zum Schauspielhaus-Ensemble, dann machte er sich selbständig und entdeckte das Fernsehen für sich: Große Popularität erlangte er als Detektiv Jones Burte in der Kriminalserie „John Klings Abenteuer“ (1965-70), in „Spaß beiseite, Herbert kommt“ (1981) und in der Wirtschaftskrimi-Serie „Schwarz- Rot-Gold“, in der er bis 1995 den Zollfahnder Zaluskowski spielte. Zahlreiche Rollen in Krimireihen („Tatort“, „Der Alte“, „Derrick“) folgten. Kinder erlebten ihn in den 1980er Jahren in der „Sesamstraße“ neben Lilo Pulver. Als gefragter Synchronsprecher lieh er unter anderem Peter Falks Inspektor Columbo seine ausdrucksstarke Stimme — und anderen Kollegen wie Danny Glover oder Donald Sutherland.

Auch im Kino war Friedrichsen früh aktiv. So spielte er 1957 seine erste Filmrolle in „Lemkes sel. Witwe“, trat 1968 auch in der späten Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Gorilla von Soho“ auf.

Friedrichsens große Liebe blieb jedoch das Theater: Zuletzt sah man ihn, der wegen seines Hangs zum Perfektionismus bei Kollegen berühmt-berüchtigt war, am Ernst- Deutsch-Theater und am Ohnsorg-Theater. Dort gab er den legendären Hans Albers oder den Mephisto in Goethes „Faust“ auf Platt. Zum 60. Bühnenjubiläum 2013 ernannte ihn die Hamburger Volksbühne zum Ehrenmitglied.

Daneben hat sich der beliebte Schauspieler, der mit seiner zweiten Frau Ute in Seevetal bei Hamburg lebte, immer sozial und politisch engagiert. So machte er für die SPD Wahlkampf und wurde von ihr zur Wahl des Bundespräsidenten entsandt. „Wir sind in diese Welt gestellt mit einer Aufgabe, und wir müssen diese Aufgabe erfüllen“, sagte der gläubige Christ und Vater von vier Kindern.

„Das Problem unserer Zeit ist, dass die Menschen zu wenig Zivilcourage haben.“ Dagegen habe er immer versucht anzukämpfen. Am Sonnabend starb Uwe Friedrichsen kurz vor seinem 82. Geburtstag in einem Hamburger Krankenhaus.

Von Carola Große-Wilde

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