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Der Mythos Mata Hari

Zürich Der Mythos Mata Hari

Paulo Coelhos „Die Spionin“: Leben und Sterben eines Erotikstars.

Zürich. Wenn Romane mit dem Ende beginnen, ist das oft ein Wagnis. Doch als Paulo Coelho sich an die Geschichte der Niederländerin Margaretha Geertruida Zelle machte, hatte er kaum eine andere Wahl. Noch heute ist sie unter ihrem Künstlernamen Mata Hari weltbekannt. Und weithin bekannt ist natürlich auch, dass der angehimmelte Erotikstar in Frankreich wegen Spionage hingerichtet wurde.

 

LN-Bild

Margaretha Geertruida Zelle, bekannt und berühmt geworden als „Mata Hari“. FOTO: LN-ARCHIV

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„Muss ich das tragen?“, lässt Coelho Mata Hari fragen, als man ihr vor der Hinrichtung die Augen verbinden will. Sorgfältig frisiert, in Seidenstrümpfen, mit Hut, Lederhandschuhen und Pelzmantel steht sie am 15. Oktober 1917 vor dem Erschießungskommando. „Mata Hari wurden weder die Augen verbunden, noch wurde sie gefesselt. Sie schaute die Vollstrecker ihres Todesurteils einfach nur ruhig an...“

Was für eine Frau, was für eine starke Persönlichkeit! Die Entscheidung des Bestsellerautors („Der Alchimist“), seinen Roman „Die Spionin“ mit dem Tod der Heldin beginnen zu lassen, war zweifellos richtig. Denn wenn jemand so stirbt, wollen Leser unweigerlich mehr darüber wissen, wie er gelebt hat.

Das erzählt der Brasilianer, dessen Bücher sich in mehr als 80 Sprachen weltweit über 200 Millionen Mal verkauften, einmal mehr mit großer Meisterschaft. Und zwar aus der Ich-Perspektive:

Coelho ist das Kunststück gelungen, sich in den Körper, vor allem aber in den Kopf Mata Haris hineinzuversetzen. Anhand eines fiktiven letzten Briefes aus dem Gefängnis blättert er das außergewöhnliche Leben der Frau mit dem selbstgewählten javanischen Namen vor uns auf, der „Auge des Tages“ oder auch „Aufgang der Sonne“ bedeutet.

Schon in seiner Jugend, berichtete der 69-jährige Coelho in einem Interview, habe Mata Hari ihn beeindruckt – als „eine der Ikonen der Hippiebewegung; das böse Mädchen, die Außenseiterin, die geheimnisvolle Fremde –, wir fanden sie jedenfalls damals alle unglaublich faszinierend“.

Paulo Coelho beweist mit „Die Spionin“ einmal mehr auch seinen Sinn für Timing und populäre Themen: 2017 ist „Mata-Hari-Jahr“ mit ihrem 100. Todestag am 15. Oktober. Da wird sein Buch wohl nicht das einzige neue über diese schillernde Frauengestalt bleiben. Aber mit Sicherheit eines der besten. Thomas Burmeister

„Die Spionin“ von Paulo Coelho. Diogenes Verlag. 192 Seiten. 19,90 Euro.

LN

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