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Der Norden soll aufdrehen

Hamburg/Lübeck Der Norden soll aufdrehen

Neue Chefin der Filmförderung für Hamburg und Schleswig-Holstein — was Maria Köpf alles vorhat.

Hamburg. Ihr erster Spielfilm war „Die Blechtrommel“ von Volker Schlöndorff. „Ich komme vom Land“, sagt Maria Köpf (53), die neue Leiterin der Filmförderung Hamburg/Schleswig-Holstein (FFHSH) — in den Kinos ihrer oberbayerischen Heimat seien überwiegend Lederhosen-Filme zu sehen gewesen. Die Verfilmung des Romans von Günter Grass aber habe es auch in die ländlichen Kinos geschafft. In Maria Köpfs Kindertagen war noch nicht abzusehen, dass das Filmgeschäft einmal ihre berufliche Heimat werden würde. Nun aber ist sie seit Jahrzehnten fest dort verankert, zunächst vor allem in der Filmproduktion. Seit Anfang des Jahres ist Maria Köpf neue FFHSH-Geschäftsführerin. Gestern stellte sie sich der Presse vor.

Der Etat für das laufende Jahr beträgt elf Millionen Euro, damit werden Kinofilme und außergewöhnliche Fernsehproduktionen unterstützt. „Ich möchte Hamburg zum Filmstandort erster Klasse machen“, sagt Köpf. Dazu gehört es für sie, „mehr spannende internationale Großprojekte“ wie etwa den 2013 überwiegend in Hamburg gedrehten Spionagethriller ,A Most Wanted Man‘ mit Philipp Seymor Hoffman, der ein Welterfolg wurde, nach Hamburg zu holen.

Manch große Karrieren sind der Filmförderung zu verdanken, Detlev Buck oder Fatih Akin wurden mit ihrer Hilfe zu Stars. Aber auch kleinere Projekte und experimentelles Kino finden hier Unterstützung.

Maria Köpf liegen diese ebenso wie ihrer Vorgängerin am Herzen. Überhaupt ist sie nicht angetreten, um alles neu und alles besser zu machen. Für ihre Vorgängerin Eva Hubert, die die Filmförderung seit 1997 geleitet hat und Ende 2015 in den Ruhestand gegangen ist, ist sie des Lobes voll: „Sie hat sehr große Fußspuren hinterlassen.“

Die Neue kennt die Filmbranche aus dem Effeff. Nach ihrem Studium der Amerikanistik und Filmwissenschaft in Berlin und in New York arbeitete sie als Herstellungsleiterin und als Produzentin. 2007 wurde sie Geschäftsführerin der Zentropa Entertainments Berlin, einer Dependance des dänischen Produktionshauses. Als Produzentin hat Köpf unter anderem an „Lola rennt“ von Tom Tykwer oder „Love ist all you need“ von Susanne Bier mitgewirkt, der 2012 bei den Nordischen Filmtagen Lübeck lief. Sie ist zudem Mitglied der Deutschen Filmakademie, die den Deutschen Filmpreis vergibt.

Was die Besucherzahlen angeht, mögen die goldenen Kinojahre vorbei sein — Maria Köpf glaubt an die Zukunft des Mediums. Sie denkt über neue Wege nach, Zuschauer zu erreichen. Digitale Auswertung ist ein Begriff, den sie häufiger ins Gespräch bringt. Darunter ist mehr zu verstehen, als dass Filme nach Ablauf einer gewissen Frist auf DVD erscheinen. Vorstellbar sei auch, dass die Kinos einbezogen werden, meint Köpf. Wenn ein Film nach relativ kurzer Zeit nicht mehr im Kino zu sehen sei, könnten sich Interessierte ihn über einen mit dem Kino verbundenen Server zu Hause angucken. Dazu gebe es verschiedene Überlegungen, sagt Köpf: „Es sollte aber nicht auf Kosten der Kreativen gehen.“

Dass die bis 2007 selbständige Filmförderung Schleswig-Holsteins vor achteinhalb Jahren mit der Hamburger zusammengelegt wurde, hat sich nach Ansicht der neuen Chefin „großartig bewährt“: Gemeinsam könne man tolle Drehorte anbieten, neben Hamburg beispielsweise die Lübecker Altstadt oder die Nord- und Ostseeküste. Der kleinere Partner Schleswig-Holstein habe von der Verschmelzung mit Hamburg profitiert, weil sich internationale Projekte hier eher einen Partner suchten.

Ein Anliegen Köpfs ist es, den Austausch mit Skandinavien zu intensivieren. Ein wichtiges Bindeglied sind dabei die Nordischen Filmtage Lübeck. Drei Mal war Köpf bereits hier zu Gast. 2015 wählte sie als Mitglied der NDR-Jury den Gewinner des NDR-Filmpreises mit aus. Über die Filmtage sagt Köpf: „Die Auswahl an Filmen ist großartig. Das Festival hat eine schöne, fast familiäre Atmosphäre — wie Linde Fröhlich und ihr Team das organisieren, ist phänomenal.“

Liliane Jolitz

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