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Kultur im Norden „Der Norden war kein Irrtum“
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21:22 24.06.2013
Roman Brogli-Sacher begann als Posaunist. Quelle: Foto: Malzahn

Lübecker Nachrichten: Herr Brogli-Sacher, wie fällt in der Rückschau Ihr Urteil über zwölf Jahre am Theater Lübeck aus?

Roman Brogli-Sacher: Vorwiegend positiv. Alles andere wäre auch traurig für meine Familie und mich.

LN: Neben all den künstlerischen Erfolgen wie dem „Ring“ — worauf sind Sie besonders stolz?

Brogli-Sacher: Auf die kontinuierliche Entwicklung des Orchesters und des Musiktheaters, auf die ich vor allem in den sechs Jahren als Operndirektor Einfluss nehmen konnte.

LN: Wie fällt ein Vergleich zwischen Ihrem Amtsantritt 2001 und der jetzigen Situation des Theaters aus?

Brogli-Sacher: Damals befand sich das Theater in einer unsicheren Situation, sowohl finanziell als auch in Hinsicht auf die Akzeptanz beim Publikum. Es gab gute Resonanz bei der Kritik, aber die Besucherzahlen waren schlecht. Heute ist die Resonanz bei der Kritik noch besser, das Theater wird hervorragend angenommen.

LN: Weitere Höhepunkte?

Brogli-Sacher: Es waren für mich natürlich der „Ring“ und die sechs Strauss-Produktionen. Außerdem hat die Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Früchte getragen. Auch unsere CD-Reihe hat die Akzeptanz des Orchesters erhöht.

LN: Das Orchester ist während Ihrer Amtszeit stark verjüngt worden — ist das einer der Gründe für den Erfolg?

Brogli-Sacher: Um 2001/2002 herum fand ein Generationswechsel statt, das war ein Vorteil für die kontinuierliche Entwicklung. So haben wir uns zum Beispiel einen wunderschönen Strauss-Klang erarbeitet, mit dem wir uns hinter keinem Orchester verstecken mussten.

LN: Worüber haben Sie sich am meisten geärgert?

Brogli-Sacher: Vor allem über die ewige Debatte um die finanzielle Grundausstattung des Hauses. Die Nichtbesetzung von Stellen in Chor und Orchester zeigt daher auch die Grenzen der Möglichkeiten auf, die das Theater hat. Es fehlt in Lübeck meiner Meinung nach an Visionen und an dem Mut, wirklich innovativ zu sein.

LN: Und woran sind Sie gescheitert?

Brogli-Sacher: Zum Beispiel mit dem Versuch, das Orchester als Repräsentanten der Stadt Lübeck überregional und international zu etablieren.

LN: Sie haben einmal davon gesprochen, dass Sie sich künstlerisch weiterentwickeln wollen.

Brogli-Sacher: Nach zwölf Jahren kann das Theater eine neue Sicht auf die Dinge gebrauchen, ich brauche sie auf jeden Fall. Weiter als bis zum „Ring“ kann man nicht gemeinsam gehen.

LN: Was sind Ihre nächsten Projekte?

Brogli-Sacher: Am Theater Biel/Solothurn werde ich einen halb-konzertanten „Ring“ dirigieren. Geplant sind auch ein Monteverdi -Zyklus in der Schweiz und eine Wagner-Tournee durch Norditalien.

LN: Ihre Familie wohnt bereits im Tessin — wie ist ihr der Umzug bekommen?

Brogli-Sacher: Meine Frau hat sich vorwiegend um den Aufbau unserer Infrastruktur und um die Kinder gekümmert. Mein Sohn Raphael hat mit seinen drei Jahren den Umzug nur am Rande bewusst miterlebt. Aber für meine zehnjährige Tochter Antonia war es eine gravierende Umstellung, neue Sprache, neues Umfeld, neue Schule, neue Freunde. Aber sie hat das großartig gemeistert.

LN: Letzte Frage. Nietzsche hat einmal gesagt: „Der Norden ist ein Irrtum“. Würden Sie das nach zwölf Jahren Lübeck unterstreichen?

Brogli-Sacher: Nein, würde ich nicht. Der Norden ist irrsinnig schön, vor allem im Sommer, ich mag auch die nüchterne norddeutsche Mentalität gern. Aber der Süden kommt meiner Seele doch am nächsten.

Interview: J. Feldhoff

Stetige Karriere
Roman Brogli-Sacher wurde 1966 in Basel geboren. Er studierte zunächst Posaune und wurde Soloposaunist am Theater St. Gallen. Nach einem zusätzlichen Dirigierstudium ging Brogli-Sacher 1997 als 1. Kapellmeister an das Opernhaus Halle. 2001 wurde der Schweizer dann als Nachfolger von Erich Wächter als Generalmusikdirektor ans Theater Lübeck berufen. 2007 übernahm Brogli-Sacher dann auch die Aufgaben des Operndirektors.

LN

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