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Der Obdachlose in der Luxuswohnung

Lübeck Der Obdachlose in der Luxuswohnung

Gelungene Premiere im Theater Partout: Die Komödie „Auf ein Neues“ von Antoine Rault überzeugte.

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„Den Rhythmus spüren“, sagt Johannes Fischer

Reiner Lorenz spielt Michel, dem seine Welt abhanden gekommen ist. Anita Gremser (Mitte) und Svenja Ipsen staunen.

Quelle: Roeßler

Lübeck. Was zeichnet eine gute Komödie aus? Geschliffene Dialoge natürlich, Tempo — und Ernst. Das ist der Unterschied zwischen Komödie und platter Posse. „Auf ein Neues“

von Antoine Rault vereint alle Eigenschaften, die eine gute Komödie ausmachen — die Premiere im Theater Partout wurde am Freitag bejubelt.

Es war einer jener Theaterabende, an denen alles zusammenkam, was man sich wünscht: Ein gutes Stück, eine einfallsreiche und präzise Regie und vor allem gute Schauspieler. Drei Personen liefern sich in dieser Komödie mit Tiefgang einen Psycho-Krieg, der nicht nur mit einem Waffenstillstand, sondern mit einem Zwei-Drittel-Happyend ausläuft. Der Obdachlose Michel landet an Weihnachten in der Luxuswohnung der Karrierefrau Cathérine, deren Tochter Sarah pubertiert heftig, es beginnt Cahthérines Projekt, aus Michel wieder einen stromlinienförmigen, sozial angepassten und mit dem Arbeitsmarkt kompatiblen Menschen zu machen. Das kann nicht gut gehen, es ergeben sich die heftigsten Querelen. Zwischen Michel und seiner Gönnerin, zwischen Mutter und Tochter, jeder tritt gegen jeden an.

Regisseur Uli Sandau gelingt es in diesen gut anderthalb Stunden, die pointensicheren Dialoge von Antoine Rault prächtig in Szene zu setzen. Jede Geste ist wohlüberlegt, jeder große und kleine Gang funktioniert. Und für die drei Akteure ist es sichtlich ein Vergnügen, diese Komödie in dieser Inszenierung zu spielen. Anita Gramser ist eine wunderbare Cathérine, deren harte Schale nach und nach aufbricht, bis nur noch die einsame, nicht mehr ganz junge Frau übrigbleibt. Svenja Ipsen gibt eine lautstarke Rotzgöre, zu Beginn etwas überzogen, im Verlauf aber immer sicherer werdend. Und Reiner Lorenz als obdachloser Michel entpuppt sich nicht nur als großartiger Chanson-Interpret, er spielt den scheuen und ängstlichen Mann überzeugend. Fabelhaft. Fel

Nächste Vorstellungen: 25. und 26. Dezember.

LN

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