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Der Oscar geht nach Lübeck

Lübeck/Los Angeles Der Oscar geht nach Lübeck

Es sei egal, ob es Gold, Silber oder Bronze werde, sagte Katja Benrath kurz vor der Preisverleihung den LN. Dann wurde es in Los Angeles in der Nacht zu gestern tatsächlich der goldene Studenten-Oscar für die in Lübeck aufgewachsene Regisseurin.

Lübeck/Los Angeles. „Watu Wote – All of us“ heißt der Film, für den die 38-Jährige die Auszeichnung erhielt. Es ist ihre Abschlussarbeit an der Hamburg Media School, wo sie im vergangenen Jahr das Master-Examen abgelegt hat. Ihr preisgekröntes Werk beruht dabei auf einer wahren Begebenheit.

Der Kurzfilm erzählt eine Geschichte aus Kenia, wo islamistische Al-Shabaab-Milizen das Land mit Terror überziehen. Vor zwei Jahren haben sie in der Wüste einen Bus überfallen und die etwa 60

Insassen mit Waffengewalt aufgefordert, sich nach Christen und Muslimen aufzuteilen. Aber die Menschen – Männer, Frauen, Kinder – weigerten sich. Sie ließen sich nicht einschüchtern. Die Muslime schützten die Christen.

„Das hat mich sehr beeindruckt“, sagt Katja Benrath. „Es hat auch so viel mit meinen Werten zu tun und dem Wunsch, Menschen aus Kategorien herauszuholen und sie wieder zu einzelnen Personen werden zu lassen. Also im Gegenüber den Menschen zu sehen und nicht eine andere Religion oder eine andere Kultur.“

Sie habe sofort gespürt, dass sie diese Geschichte erzählen müsse, sagt sie. „Wenn ich einen Film unbedingt machen will, ist das bei mir wie ein innerer Auftrag.“ Und dann haben sie sich an die Arbeit gesetzt, denn den Studenten-Oscar in der Sparte Internationaler KurzSpielfilm hat zwar sie für ihre Regie bekommen, entstanden ist der Film aber als Gemeinschaftsprojekt mit drei Kommilitonen von der Hamburg Media School. Julia Drache hat das Drehbuch geschrieben, Felix Striebel war an der Kamera und Tobias Rosen der Creative Producer. Sie sind alle mitgeflogen nach Los Angeles. Und ihnen allen sowie dem gesamten afrikanischen Team gelte der Preis, sagt Katja Benrath.

Die gebürtige Unterfränkin ist neunjährig mit ihrer Mutter nach Lübeck gezogen und hat 1999 am Katharineum Abitur gemacht. „Ich habe mich sehr schnell mit Norddeutschland identifiziert“, sagt sie.

„Ich fand die Sprache total cool und hab’ mich dann halt reingehängt.“ Sie hat beim plattdeutschen Vorlesen gewonnen, war die Maria im Krippenspiel und hat auch sonst Neigung zum Spielerischen und Künstlerischen erkennen lassen.

Nach einer Schneiderlehre hat sie in Wien Schauspiel und Gesang studiert und ist 2014 nach Hamburg an die Media School gewechselt. Dort in Hamburg wohnt sie jetzt auch, hat aber noch immer engen Kontakt nach Lübeck. „Absolut“, sagt sie. „Ich bin zwar nicht in der Stadt geboren, aber ich betrachte mich selbst als Lübeckerin.“ Und dass ihr Film während der Nordischen Filmtage Anfang November in Lübeck läuft, darüber sei sie „superglücklich. Das feiere ich ganz besonders doll.“

Den Studenten-Oscar haben schon Regisseure wie Spike Lee und Robert Zemeckis gewonnen, Leute also, die später zu Weltruhm kamen. Die Hamburg Media School hat mit Florian Baxmeier, Ulrike Grote oder zuletzt 2015 mit Ilker Catak ebenfalls einige Gewinner in ihren Reihen. Vergeben wird der Student Academy Award seit 1972, und in diesem Jahr hat neben Katja Benrath auch Johannes Preuss von der Filmakademie Baden-Württemberg die Auszeichnung in Gold erhalten. Der 33-Jährige hat in seiner etwa halbstündigen investigativen Reportage „Galamsey – für eine Handvoll Gold“ die Machenschaften rund um das illegale Goldschürfen in Ghana beleuchtet. Neben den beiden Deutschen wurden 15 Studenten von US-Hochschulen geehrt. Alle Preisträger sind damit auch für die erste Runde im eigentlichen Oscar-Rennen im nächsten Jahr qualifiziert.

Katja Benrath hat schon einige Kurzfilme gedreht. „Watu Wote“ ist mit gut 20 Minuten der längste, aber alle haben das Prädikat „Besonders wertvoll“ erhalten und diverse Preise dazu. Man mache keinen Film wegen der Preise, sagt sie. Aber sie seien wichtig. Sie seien die „Währung“ in der Branche, um beachtet zu werden und einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Jetzt mit dem Oscar hätten sich schon einige interessante Gespräche und Kontakte ergeben. Und mit der Verfilmung des dänischen Jugendbuchs „Pferd, Pferd, Tiger, Tiger“ stehe auch ein konkretes Projekt an. Sie habe sehr lange und hart darauf hingearbeitet, Filme machen zu können, sagt sie. Und jetzt habe sie die große Hoffnung, „in diesem Job bleiben und davon auch leben zu können“.

 Von Peter Intelmann

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