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Kultur im Norden Der Präsident ist ein Multitalent
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19:12 26.01.2017
Der Professor im Kreis seiner Saxofon-Studenten: Rico Gubler (Mitte) mit Jana de Troyer, Jesus Gallardo Nieto, Santa Bukovska und Ivan Tumanov (v. l.). Quelle: Foto: Dirk Silz
Lübeck

Eine Auskunft von Rico Gubler erfreute den Berichterstatter besonders: Er greife morgens als erstes zum Kulturteil der LN, sagte der Präsident der Musikhochschule Lübeck im Verhör von Musikwissenschaftler Wolfgang Sandberger.

Der Leiter des Brahms-Instituts moderierte wieder seine Gesprächsreihe „Zu Gast bei Brahms“. Der Saal der Villa Eschenburg war voll, der Präsident gut gelaunt – beste Voraussetzungen für eine unterhaltsame Stunde mit einem Schweizer Multitalent: Gubler hat zunächst Saxofon in Basel, Zürich und Paris studiert, das Studium der Komposition brachte ihn zum berühmten Lehrer Salvatore Sciarrino nach Florenz. Nicht genug: Gubler studierte auch noch Jura, freundete sich dabei mit dem Schweizer Phänomen der „Eigenmietwertbesteuerung“ an. Nun steht er der einzigen Musikhochschule Schleswig-Holsteins vor, muss sich mit Politik, Gremien, Prüfungen und der eigenen Saxofon-Klasse einlassen.

Gubler, geboren 1972, hätte alles Recht der Welt, mit seiner Vielfältigkeit ein wenig anzugeben. Tut er aber nicht. Dem geschmeidig nachfragenden Sandberger erzählt er von seinem musikalischen Werdegang: Da waren zuerst Punk und Elektrogitarre, dann Rock und Jazz. Der hehren Klassik näherte er sich erst mit etwa 16 Jahren, dann auch der Neuen Musik. Sein Komponistenhimmel werde von Bartók, Messiaen und Stockhausen bevölkert, aber auch von Schubert.

Um die Bandbreite der Erfindungsgabe Gublers zu demonstrieren, ließ Sandberger die Komposition „En bref“ vom Album „ausgeborgt“ abspielen: Nach sehr freien Instrumentalklängen schlängelt sich Walzer-Seligkeit ins Stück – hummdada. Er liebe eben den „Rausch des Musikantischen“, gesteht Gubler. Eine seiner Lieblingskompositionen führt zum Schluss ein studentisches Saxofonquartett auf: „Vue sur les Jardins interdits“ von Henri Pousseur (1929-2009). Es gibt darin Klangschichten, Intervalle, die das Ohr nicht schonen, bedeutungsvolle Pausen, aber auch Madrigal-Sätze – ein Werk so vielseitig wie Rico Gubler.mib

LN

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