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Der Rungholt-Schädel bekommt ein Gesicht

Husum Der Rungholt-Schädel bekommt ein Gesicht

Das „Atlantis der Nordsee“ wird visualisiert: Für eine Sonderausstellung des NordseeMuseums Husum über das sagenhafte Rungholt wird Rechtsmedizinerin Constanze Niess aus Frankfurt am Main das Gesicht eines Rungholters nach wissenschaftlichen Maßstäben rekonstruieren.

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Rechtsmedizinerin Constanze Niess mit dem Rungholt-Schädel, dem sie ein Gesicht geben will.

Quelle: Fotos: Dpa (3)

Husum. Die 48-Jährige hat bei Experten in den USA gelernt, das Antlitz von längst verstorbenen Menschen zu modellieren, von denen nicht mehr als die Schädelform bekannt ist.

Rungholt war im ausgehenden Mittelalter eine Siedlung im Wattenmeer nahe der Hallig Südfall. Schätzungsweise 500 bis 1000 Einwohner lebten dort bis zur Zerstörung durch eine verheerende Sturmflut im Jahr 1362. Den Mythos vom sagenhaften Reichtum der Stadt halten Wissenschaftler heute für eindeutig widerlegt. Archäologen fanden in der Siedlung keine Hinweise auf Hinterlassenschaften einer vermögenden Oberschicht oder auf Fernhandel. Die Menschen trieben Landwirtschaft; einige handelten wohl mit Butter oder Wolle, hin und wieder vielleicht mit Bernstein. Nach Überzeugung von Rungholt-Kennern fristeten sie ein bescheidenes Leben.

Constanze Niess gibt Toten mit Knetmasse und ihrem Spezialwissen das individuelle Aussehen zurück. Grundlage ist eine einfache Erkenntnis: „Jeder Schädel ist individuell wie ein Fingerabdruck“, erklärt die Rechtsmedizinerin. „Und ein Gesicht ist so individuell wie der darunter liegende Knochen.“

Gesichtsrekonstruktion basiert nicht auf künstlerischer Intuition, sondern auf streng wissenschaftlicher Arbeit, betont die Expertin. Die Rechtsmedizin kennt für rund zwei Dutzend charakteristische Punkte in einem Gesicht Standardwerte, wie viel Haut und Muskeln sich zu Lebzeiten darüber spannten. An diese genau definierten Stellen setzt Niess kleine Plastiktürmchen: Zum Beispiel direkt über die Augenhöhle, genau darunter, oder an die Kinnspitze. Die Zwischenräume zwischen den Punkten verbindet sie anschließend mit Streifen einer braunen dauerelastischen Knetmasse. Danach beginnt die Feinarbeit: Eine schmale Nasenöffnung bedeutet, dass die Person auch eine schmale Nase hatte. Der Abstand der Augenmitten ergibt die Breite des Mundes, und die Maße der Schneidezähne ermöglichen der Expertin eine individuelle Ausformung der Lippen.

Für die Ende Mai beginnende Ausstellung wird so ein Gesicht entstehen, von dem die Rechtsmedizinerin sich ziemlich sicher ist: Menschen, die den Toten vor 700 Jahren kannten, würden ihn nach dem Modell wiedererkennen.

LN

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