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Der Schrecken aller Schurken

London Der Schrecken aller Schurken

Das sind eigentlich Eigenschaften eines geborenen Verbrecher. Aber der Mann, um den es hier geht, ist das Gegenteil eines Schurken: Die Rede ist von Sherlock Holmes, dem berühmtesten Detektiv der Literaturgeschichte. Vor 130 Jahren erschien die erste Story über den Meisterdenker.

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Holmes und Watson auf Reisen – so stellt man sich die Herren vor.

London. „A Study in Scarlet“ hieß das Buch – und wurde kein großer Erfolg. Was den Autor schwer enttäuschte, denn der hatte eine eigene Detektivgeschichte geschrieben, weil ihm die zu seiner Zeit populären Kriminalromane langweilig und dilettantisch vorkamen.

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Das sind eigentlich Eigenschaften eines geborenen Verbrecher. Aber der Mann, um den es hier geht, ist das Gegenteil eines Schurken: Die Rede ist von Sherlock Holmes, dem berühmtesten Detektiv der Literaturgeschichte. Vor 130 Jahren erschien die erste Story über den Meisterdenker.

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Glaubensfrage

Historisch entsprachen die Erzählungen und Romane um Sherlock Holmes dem viktorianischen Zeitgeist des Wissenschaftsoptimismus. Durch die Wissenschaft, so glaubte man, könne man alle Probleme lösen. Es kam anders, wie wir wissen. Aber faszinierend sind die Stories von Arthur Conan Doyle dennoch – auch als historische Dokumente.

Holmes‘ Erfinder war der 1859 in Edinburgh geborene Arzt Arthur Conan Doyle. Studiert hatte Doyle, der später nobilitiert wurde, beim berühmten Mediziner Joseph Bell, dem damaligen Großmeister der Diagnostik und Begründer der Forensik. Doyle bewunderte Bells Kombinationsgabe, mit der er in scheinbar nichts miteinander zu tun habenden Fakten Zusammenhänge erkannte. Diese Fähigkeit machte Doyle später zu einer der wichtigsten Eigenschaften seines Helden.

Doyle erfand Sherlock Holmes 1887, der Roman „A Study in Scarlet“ brachte dem Autor nur wenig ein. Und Doyle brauchte Geld, seine Praxis in Southsea bei Portsmouth lief ausgesprochen schlecht. Aber einem amerikanischen Verleger war die „Studie in Scharlach“ aufgefallen, er kaufte die Rechte für die USA. So begann der weltweite Triumphzug des beratenden Detektivs Sherlock Holmes.

Wer dieser Sherlock Holmes eigentlich ist, wird bei der Lektüre der Romane und Erzählungen nicht recht deutlich. Nach seinem Vornamen und dem seines Bruders Mycroft stammt er aus Schottland.

Geldsorgen scheint er auch keine zu haben, zumindest muss er keine regelmäßige Tätigkeit ausüben. Ein Privatleben hat er auch nicht wirklich, sein Hobby ist das Geigenspiel – immerhin besitzt Sherlock Holmes eine Stradivari. Sein messerscharfer Verstand erlaubt es Holmes, gemeinsam mit seinem Freund und WG-Partner Dr. John Watson auch die schwierigsten Fälle zu lösen. Wie Homes das schafft, ist zwar immer in derselben Machart geschrieben, aber es ist auch immer wieder faszinierend. Zumal Sherlock Holmes für den Notfall auch mit einer Waffe umgehen kann und mehrere Nahkampftechniken beherrscht.

Aber Sherlock Holmes Charakter hat auch seine dunklen Seiten. Wenn er keinen neuen Fall zu lösen hat und von Langeweile geplagt wird, greift er zu Morphium und Kokain – beides war zu viktorianischen Zeiten in jeder Apotheke frei erwerblich. Soziale Beziehungen sind auch nicht das Lieblingsgebiet des Detektivs, und Frauen spielen in seinem Leben nur als Auftraggeberinnen, Zeuginnen oder Verdächtige eine Rolle.

Holmes und sein Freund Watson, ehemaliger Armeearzt, sind auf einem Kreuzzug gegen das Verbrechen. Und das personifiziert sich in Professor Moriarty, dem Genie unter den Schurken. Immer wieder treten sie gegeneinander an, bis sie gemeinsam in den Reichenbachfällen in der Schweiz zu Tode stürzen. Das aber nur, weil Conan Doyle keine Lust mehr hatte, weiter Sherlock-Holmes-Geschichten zu schreiben.

Auf Druck des Publikums musste er den Meister aber wiederbeleben – für uns als Leser ein Glücksfall.

Sherlock Holmes hatte Vorfahren, Auguste Dupin in drei Erzählungen von Edgar Allan Poe und den von Emile Gaboriau erfundenen Inspektor Lecoq. Nachfahren natürlich auch, man denke nur an Agatha Christies Hercule Poirot. Aber Sherlock Holmes ist dennoch unvergleichlich. Der große, hagere Mann mit dem Raubvogelgesicht kommt mit Logik und Beobachtung jedem Gauner auf die Spur, und das in unnachahmlicher Weise. Man muss ihn einfach schätzen, diesen sehr, sehr britischen Kauz mit der Deerstalker-Mütze.

Jürgen Feldhoff

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