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Kultur im Norden Der Sieg der Bücher
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19:12 12.10.2017
Bestsellerautor Dan Brown stellte sein neues Buch “Origin“ vor. Quelle: Foto: Boris Roessler/dpa
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Frankfurt/Main

Für ihn sei die Buchmesse ein Ort, um Europa zwischen Buchdeckeln neu zu erfinden, sagt der 75-Jährige. Er steuert den Roman „Das Glück des Zauberers“ bei, die deutsche Antwort auf „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg“: Ein Mann mit Zauberkräften umreißt eine ganze Epoche in Briefen an seine Enkelin, die sein Talent geerbt hat. Das Zaubern ist bei Nadolny eine große Metapher dafür, das Leben mit Neugier und Raffinesse zu meistern.

Preis für Sik

Der türkische Journalist Ahmet Sik ist auf der Buchmesse mit dem Raif-Badawi-Preis für mutigen Journalismus geehrt worden. Sik sitzt seit Dezember wegen angeblicher Terror-Propaganda in Haft.

Frankreich ist das diesjährige Gastland. Nur aus dem Englischen werden mehr Bücher ins Deutsche übertragen, und so sind auch die in Frankfurt präsentierten 555 Übersetzungen von 143 deutschen Verlagen rekordverdächtig. Stargast Michel Houellebecq prophezeit im Frankfurter Schauspiel, die Franzosen würden wieder zu einem Nationalstolz zurückfinden: „Wir werden wieder das arrogante Volk von früher.“

Herzstück des französischen Pavillons ist eine nachgebaute Gutenbergpresse. Der französische Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel druckten hier zur Messe-Eröffnung die erste Seite der Menschenrechtserklärung. Dass diese vielerorts nicht eingehalten wird, ist immer wieder ein Thema auf der Buchmesse, die jedes Jahr politischer wird.

Die große türkische Romanautorin Asli Erdogan zum Beispiel ist eine der wichtigsten Stimmen der türkischen Opposition. Bis zuletzt war nicht klar, ob sie zu dem Gespräch würde kommen können. Wegen ihrer Kolumnen in der kurdisch-türkischen Zeitung „Özgür Gündem“ wurde sie ein halbes Jahr inhaftiert und Ende 2016 für die Dauer des laufenden Prozesses entlassen. Ihren Pass, der ihr die Reise ins Ausland ermöglicht, bekam sie jedoch gerade erst zurück.

In Frankfurt erinnert sie sich daran, wie sie im Gefängnis Zettel mit Notizen an ihrem Körper versteckte und nach draußen schmuggelte. Einer dieser Texte wurde nun zur Eröffnung der Buchmesse verlesen. Man hört den Triumph in ihrer Stimme. Sie berichtet auch von den Absurditäten der Radikalisierung in ihrem Land: „Ich wurde wegen meiner Schriften verhaftet. Aber in der Gefängnisbibliothek gab es meine Bücher.“

In Frankfurt liegen Politik und Unterhaltung, Tradition und Fortschritt nah beieinander. Ganz buchstäblich findet sich direkt neben der Antiquariatsmesse die Installation eines schreibenden Roboters.

Gerade roch es noch anheimelnd nach altem Papier, dann plötzlich nüchterne Hightechwelt. Ein orangefarbener Metallarm schreibt mit einem überdimensionalen Kugelschreiber Aphorismen wie „Aus Weisheit geht Phantasie hervor“ auf ein Stück Papier. Mithilfe von Algorithmen generiert der Roboter des Stuttgarter Künstlerkollektivs robolab neue Texte. Herauskommen soll ein von künstlicher Intelligenz geschaffenes Manifest.

Der US-Bestsellerautor Dan Brown verrät bei der Vorstellung seines neuen Romans „Origin“, dass er von einer Komposition über Charles Darwin zu der Geschichte über den Ursprung der Menschheit inspiriert wurde. Diesmal gehe es nicht um Machenschaften im Vatikan, sondern um die Frage, ob „Gott die Wissenschaft überlebt“.

Das Thema Wissenschaft versus Religion sei ihm nicht unbekannt: „Meine Mutter spielte in der Kirche Orgel, mein Vater war Mathematiklehrer“, sagte der 53-Jährige. Und er vermute, die katholische Kirche werde auch über sein neues Buch klagen. Überleben aber würden organisierte Religionen nicht. Was bleibe, seien Werte wie Mitgefühl oder Nächstenliebe. Viele Glaubensdogmen jedoch seien längst überholt.

Von Nina May

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