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Kultur im Norden Der Sinnsucher
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18:19 13.07.2018

Sein Haus auf der kleinen Ostseeinsel Fårö baute Ingmar Bergman nicht auf feinen Sand, sondern an einen kargen Steinstrand. Das Raue, aufs Wesentliche Reduzierte passte zu ihm – und zu seiner düsteren Arbeit. Mit seinem filmischen Grübeln über die großen Sinnfragen beeinflusste der schwedische Meisterregisseur ganze Generationen. In diesem Jahr sind die Bergman-Klassiker wieder zu sehen, denn heute wäre der schwedische Meister 100 Jahre alt geworden. Alt zu werden, sagte Bergman einmal, sei wie auf einen Berg steigen. „Je höher man steigt, desto mehr schwinden die Kräfte – aber desto weiter sieht man.“

Fårö. Ingmar Bergman war eine Überfigur, für die Kollegen der beste Filmregisseur aller Zeiten. Mit Liv Ullmann hatte er eine kongeniale Mitarbeiterin und zeitweise Lebenspartnerin an seiner Seite. Sein entlarvender Blick auf den Menschen, meinen manche, täte dem heutigen Kino gut.

Geboren wurde Ingmar Bergman 1918 in Uppsala. Sein Vater, ein lutherischer Pastor, erzog den Sohn streng religiös, begeisterte ihn aber auch für den damals noch stummen Film. Mit 20 begann Bergman ein Studium der Literaturgeschichte, mit 24 drehte er seinen ersten Film „Krise“.

Fünf Mal war der Regisseur verheiratet, er hatte neun Kinder. Die Ehen dauerten meist nur wenige Jahre – die letzte allerdings mit Ingrid von Rosen 24 Jahre, von 1971 bis zum Tod Rosens 1995. Die für sein Filmschaffen wichtigste Verbindung aber war die mit Liv Ullmann. In den späten 60er Jahren war sie seine Lebensgefährtin, aus der Beziehung ging die Tochter Linn hervor. Liv Ullmann war eine kongeniale Mitarbeiterin bei einigen der berühmtesten Bergman- Filme.

Anders als vielfach angenommen, seien Bergmans Werke nicht nur intellektuell, betont der Direktor der Ingmar-Bergman-Stiftung, Jan Holmberg. Natürlich seien sie oft tiefgehend und gesellschaftskritisch – aber auch sarkastisch und ironisch. Derzeit sind die Filme des mehrfachen Oscarpreisträgers Bergman wieder enorm gefragt – wohl auch, weil sie einen solchen Kontrast zum aktuellen, kommerziellen Kino darstellen, meint Holmberg. „Die Menschen haben ein Bedürfnis, sich selbst zu erkunden.“ In einer Zeit, in der viele in den sozialen Medien ihre eigenen Filterblasen erschaften, sei es wichtig, „dass jemand die weniger schmeichelhaften Aspekte der Menschen aufzeigt“.

Kritiker sagen, Bergman habe allen Disziplinen der darstellenden Kunst eine neue psychologische Tiefe und Intimität gegeben. Der eigensinnige und extrem selbstbewusste Schwede ließ Schauspieler direkt in die Kamera schauen, verlieh dem Schweigen mindestens genauso viel Kraft wie dem Wort.

Kaum ein anderer Regisseur könne auf „so eine lange Karriere und so viele Filme mit so bemerkenswert stabiler Qualität“ zurückblicken, sagt Holmberg. Spuren von Bergman erkenne er heute in den Werken von Lars von Trier („Melancholia“) oder bei Michael Haneke („Liebe“). Holmberg verwaltet Bergmans Erbe, zu dem mehr als 60 Filme für Kino und Fernsehen wie „Persona“, „Fanny und Alexander“ oder „Szenen einer Ehe“ gehören. Mit ihnen wurde Bergman weltberühmt. Doch er schrieb auch mehr als 170 Theaterproduktionen, Drehbücher und autobiografische Texte. Die Unesco listet den Nachlass – Manuskripte, Entwürfe, Notizbücher, Produktionspapiere, Fotos und rund 10 000 Briefe – als Teil des Weltdokumentenerbes.

Bergman starb 2007 mit 89 Jahren auf seiner kleinen Ostseeinsel. Seine Ideale leben auf Fårö weiter. In das Eiland hatte sich der Regisseur bei den Dreharbeiten zu „Wie in einem Spiegel“ verliebt.

„Hier will ich leben, hier will ich sterben“, soll er gesagt haben. Tatsächlich fand er hier – nach den eigenen akkuraten Regieanweisungen – auch die letzte Ruhe.

In seinem ehemaligen Wohnhaus lassen sich heute Künstler inspirieren. Eine Stiftung vergibt Stipendien, wer eines ergattert, kann die Original-Notizen auf Bergmans Nachttisch bewundern. Heute trifft man sich und schaut gemeinsam Charlie Chaplins „Der Zirkus“ – wie Bergman es an seinem Geburtstag immer mit seinen Kindern tat.

„Snobbish war er gar nicht“

Margarethe von Trotta hat Ingmar Bergman mehrmals persönlich getroffen. In einem Dokumentarfilm hat sich die Regisseurin dem Filmemacher nun angenähert. „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ läuft seit Donnerstag im Kino.

Frau von Trotta, würde Ingmar Bergman heute für Netflix drehen?

Könnte gut sein. Bergman hatte dem Fernsehen gegenüber gar keine Berührungsängste. Mir hat er einmal gesagt: Mach doch Fernsehen, das ist ein wunderbares Medium.

Hat er das begründet?

Ganz pragmatisch, er sagte: Da hast du auf einen Schlag viel mehr Zuschauer.

Wie hat er es selbst mit dem Fernsehen gehalten?

Er selbst hat auch viel Fernsehen inszeniert. Von „Fanny und Alexander“ oder auch „Szenen einer Ehe“ hat er sowohl eine Kinofassung als auch eine Fernsehserie produziert. Andere hätten sich da glatt geweigert.

Hat er auch selbst Fernsehen geguckt?

Er hat sich „Dallas“ angeschaut. Snobbish war Bergman gar nicht.

Fragen: Stefan Stosch

Theresa Münch

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