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Der Sommer hat viele Seiten, sagt Christian Schwandt

Lübeck Der Sommer hat viele Seiten, sagt Christian Schwandt

Die beiden Literaturmuseen Buddenbrookhaus und Günter-Grass-Haus machen Lübeck zu einem ganz besonderen Ort.

Lübeck. D ie beiden Literaturmuseen Buddenbrookhaus und Günter-Grass-Haus machen Lübeck zu einem ganz besonderen Ort. Die Qualität der Ausstellungen, aber auch die über das ganze Jahr verstreuten Lesungen führen in unserer Hansestadt zu einem literarischen Leben, wie man es sonst nur in München, Berlin oder Weimar findet. Man kann eigentlich gar nicht oft genug hingehen. Für mich habe ich im letzten Jahr Erich Mühsam , den das Buddenbrookhaus mit betreut, entdeckt. Mühsam, der im Lübecker Bürgertum tief verwurzelt ist – zum Beispiel zeitlebens enge Beziehungen zu Heinrich Mann und Gustav Radbruch pflegte –, fasziniert mich immer wieder. Im Berliner Verbrecher Verlag erscheinen seine Tagebücher in fünfzehn Bänden. Inzwischen ist man beim zehnten Band angelangt. Eine sehr fruchtbare Lektüre. Natürlich kann man zehn Bände Tagebücher nicht in einem Zug durchlesen, aber ich kehre zu ihnen immer wieder zurück und bin selten enttäuscht worden.

 

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Christian Schwandt ist seit 2007/2008 geschäftsführender Direktor des Theaters Lübeck. Er ist mit der Dirigentin Romely Pfund verheiratet und hat zwei Kinder. Der gebürtige Hesse hat in Hamburg und Tokio Volkswirtschaftslehre, Japanologie und Literaturwissenschaft studiert.

Quelle: Lutz Roeßler

Wenn das Theater im Sommer geschlossen ist, stellen sich bei mir relativ schnell Entzugserscheinungen ein. Meine Medizin dagegen sind die Eutiner Festspiele . Die wunderbar am See gelegene Naturbühne lohnt jedes Jahr mindestens einmal den Besuch. Doch in diesem Sommer ist es ein besonderes Vergnügen. Nicht nur, dass das Eutiner Paradestück Carl-Maria von Webers romantische Oper „Der Freischütz“ gegeben wird – der Regisseurin Dominique Caron und der Bühnen- und Kostümbildnerin Ursula Wandaress sind eine überzeugende Aufführung mit wunderbaren Bildern perfekt eingepasst in die Eutiner Waldlandschaft gelungen. Dazu sind mit Christian Sist als Kaspar, Susanne Braunsteffer als Agathe und dem Lübecker Tenor Tomasz Mysliwiec als Kilian einige großartige Sänger besetzt. Über die musikalische Leitung kann ich mich ohnehin nur begeistert äußern, denn es dirigiert meine Frau Romely Pfund. Seit nun mehr 25 Jahren fiebere ich jedem Konzert und jeder Musiktheateraufführung mit ihr entgegen. (Vorstellungen des „Freischütz“ gibt es noch am 15. Juli, am 5. und am 10. August).

Der ostdeutsche nonkonformistische Maler und Grafiker Gerhard Altenbourg (1926-1989) wäre in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden. Er ist eine Figur wie Paul Klee oder Wols und wird zurzeit mit Ausstellungen in Erfurt (Zeichnungen), Annaberg-Buchholz (Grafik) und einer Ausstellungsbeteiligung im Berliner Martin-Gropius-Bau geehrt. Meine Frau und ich planen, in der Spielzeitpause uns alle drei Ausstellungen anzusehen. Altenbourg ist für uns einer der größten Künstler des 20. Jahrhunderts.

LN

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