Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Der „Sturm“ in den Figuren

Lübeck Der „Sturm“ in den Figuren

Patrick Schlösser inszeniert Shakespeare am Theater Lübeck. Es geht um Macht in diesem Stück, um Rache und Hass. Es geht also um fast alles. Im Zentrum aber steht etwas anderes. Für Patrick Schlösser kreist der „Sturm“ im Kern um das Verzeihen.

Voriger Artikel
„Wir bieten allen Stars das Gleiche: nix“
Nächster Artikel
Elton Johns wundervoll verrückte Nacht

Regisseur Patrick Schlösser (44).

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. „The quality of mercy“ hat der britische Theatermann Peter Brook das genannt, sagt er, also etwa: die Kraft der Gnade.

Es ist die fünfte Arbeit, die Schlösser am Theater Lübeck inszeniert: dreimal Shakespeare, Goethes „Clavigo“ und jetzt den „Sturm“. Er habe einigen Respekt vor dem Stück und „Gänsehaut“ gehabt, als Schauspielchef Pit Holzwarth ihn vor anderthalb Jahren fragte, sagt er. Es gelte nicht nur als Shakespeares letztes Werk, es sei auch eines der herausragenden Dramen dieses „Theatergottes“. Man brauche manches an Lebenserfahrung, um es auf die Bühne zu bringen. Aber es erreiche ihn in einer Phase, in der er die Arbeit als „ein großes Geschenk“ empfinde, sagt der 44-Jährige.

Prospero (Timo Tank) ist der Herzog von Mailand, als ihn sein Bruder Antonio (Matthias Hermann) absetzt und er mit seiner Tochter Miranda (Josepha Grünberg) auf einer Insel strandet. Er entwickelt magische Kräfte, und als Jahre später ein Schiff mit Antonio und einer Entourage an Bord an der Insel vorbeifährt, lässt er es vom Luftgeist Ariel (Will Workman) zerschellen und die Schiffbrüchigen sich auf das Eiland retten. Dort soll es zum Äußersten kommen, aber es kommt zum Äußersten an Vergebung.

Alle Figuren in dem Stück hätten eine beschädigte Existenz, sagt Schlösser. Alle seien durchdrungen von einem tiefen Schmerz. Aber Prospero, ein Mann von Kraft und Magie, verabschiedet sich von seinen schwarzen Gedanken. Er verzichtet auf die Rache, die ihren guten Grund gehabt hätte, und wählt die Versöhnung. Er geht als einfacher Mann zurück nach Italien und widmet sich ganz der Einkehr, dem Gebet. Das sei ein „hoch spiritueller Vorgang, den wir erleben können“, sagt Schlösser. Und das mache das Stück aktuell in einer Zeit, die mehr denn je auf Verzeihen angewiesen sei. Der Sturm bei Shakespeare tobe eben auch in den Figuren. Niemand in dem Stück komme so daraus hervor, wie er hineingegangen sei.

Schlösser lebt in Berlin und war zuletzt fünf Jahre Oberspielleiter am Staatstheater Kassel. Heute arbeitet er frei. Beim „Sturm“ sorgt er neben der Regie auch für das Bühnenbild. Dramaturgin ist Anja Sackarendt, die Musik stammt von Michael Siuda. Es ist seine 21. Zusammenarbeit mit Schlösser.

Premiere: Sa., 6. 2., um 19.30 Uhr im Großen Haus. Es gibt noch Karten.

int

Voriger Artikel
Nächster Artikel