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Kultur im Norden Der Tanz ist für alle da
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18:12 11.08.2017
Museale Tanz-Nummer von 1960: „Revelations“ (Offenbarungen) feiert den Süden der USA und sein afroamerikanisches Erbe. Quelle: Foto: Uli Deck/dpa

Aus der Reihe zu tanzen, ist beim Ensemble Alvin Ailey nicht vorgesehen. Die Choreografien der erfolgreichen Künstlergruppe aus den USA sind exakt getaktet. Zum Auftakt der Tournee durch Deutschland bot die Tanzkompanie in Mannheim eine fulminante Gala. Mehr als zwei Stunden wirbelten die Künstler in Ekstase und mit absoluter Körperbeherrschung über die Bühne des Nationaltheaters. In der kommenden Woche wird die Truppe in der Hamburger Staatsoper zu sehen sein.

Was beim Alvin Ailey American Dance Theater spielerisch leicht aussieht, ist mit Drill in der New Yorker Talentschmiede der Gruppe antrainiert worden. Nichts ist Zufall, der Raum für Improvisationen ist klein. Für spektakuläre Körperkunst bleibt dennoch genug Bewegungsfreiheit. Mal barfuß, mal in Schuhen wirbeln die 34 Tänzerinnen und Tänzer zu treibende r Musik und einer wirkungsvollen Lightshow über die kulissenlose Bühne. Elemente des Musicals „West Side Story“ oder aus Wim Wenders’ Dokumentarfilm „Buena Vista Social Club“ wirken wie locker eingestreut. Und Kenner des klassischen Balletts dürften sich an Sprüngen und Pirouetten erfreuen.

„Wir wollen die Zuschauer in Deutschland von den Sitzen reißen“, sagt Robert Battle, Direktor des 1958 in New York gegründeten Ensembles. Alvin Ailey hat damals ausschließlich farbige Tänzerinnen und Tänzern in die Kompanie geholt. Der Choreograf wollte den für einen Afroamerikaner schwer zu verwirklichenden Traum von einer Bühnenkarriere erfüllen. Es entstand eine moderne Tanzsprache in Einheit mit neuer Musik und Bühnenbildern. In den USA der turbulenten 1960er- und 1970er-Jahre erfassten die politischen und sozialen Veränderungen auch die Kunstwelt. Ailey wurde zu einem Wegbereiter des modernen Tanzes.

„Dance is for everybody“ lautete sein Credo: Tanz ist für alle da. Ailey starb 1989. Das Ensemble hat sich längst auch für Europäer, Asiaten und Lateinamerikaner geöffnet. Das macht sich auch im Programm bemerkbar. Die Deutschland-Premiere des Stücks „Open Door“ eröffnete den Auftritt in Mannheim. Darin herrscht die pulsierende Musik Kubas vor. Es folgen „Piazzolla Caldera“, eine stimmige Hommage an den argentinischen Tango-Nuevo-Komponisten Astor Piazzolla (1921-1992), und „Takademe“, ein augenzwinkernder Mix aus Modern Jazz und asiatischer Kultur.

Im Zentrum steht der Klassiker „Revelations“ mit afroamerikanischen Elementen. In dem Stück von 1960 tauchte Ailey mit plakativen Mitteln in den Süden Amerikas ein und machte das schwarze Erbe lebendig. Auch nach fast 60 Jahren will die Truppe „Revelations“ nicht aus dem Repertoire nehmen. „Das ist unsere Mona Lisa“, sagt Direktor Battle. „Es geht ja auch niemand in den Louvre und sagt: Hängen Sie doch endlich dieses alte Bild ab.“

Staatsoper Hamburg, Di., 15. bis So., 20. August. Karten: (040) 356868; Internet: www.staatsoper-hamburg.de

Wolfgang Jung

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