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Kultur im Norden Der Vater der unendlichen Geschichten
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19:12 03.03.2016

Lübeck. Da muss man erst mal drauf kommen, sich ein Wort wie „satanarchäolügenialkohöllisch“ auszudenken. Da braucht man drei Tage, um es einigermaßen fehlerfrei auszusprechen, und Michael Ende macht gleich ein Buch daraus. „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ war das, 1989 erschienen, da war er längst ein sehr, sehr erfolgreicher Schriftsteller. Sechs Jahre später starb er an Krebs und mit ihm einer der meistgelesenen Kinder- und Jugendbuchautoren. Und es ist einigermaßen erstaunlich, dass es so wenig Bücher über sein Leben gibt.

Erfand Momo und Jim Knopf: Michael Ende (1929 — 1995). Quelle: dpa
Ende-Klassiker: Jim Knopf und die Wilde 13.
Erfand Momo und Jim Knopf: Michael Ende (1929 — 1995). Quelle: dpa
Ende-Klassiker: Jim Knopf und die Wilde 13.

Birgit Dankert hat jetzt eines geschrieben. Sie fächert darin die Biografie eines Menschen auf, der eigentlich zum Theater wollte (Mario Adorf war in seiner Schauspielklasse), aber Mitte der Fünzigerjahre in Palermo ein ganz anderes Erlebnis hatte. Da saß ein Mann auf dem Platz vor dem Schloss und erzählte einen Roman von Alexandre Dumas. Manchmal hörte er auf, dann legten die Zuhörer etwas Geld hin, und er machte weiter. Darum ging‘s, dachte Ende: Geschichten schreiben, die man sich in hundert Jahren noch erzählt. Und dann machte er sich an die Arbeit.

„Jim Knopf“, „Momo“, „Die unendliche Geschichte“ — er tat seine Arbeit gründlich und schuf Klassiker für Kinder und Jugendliche, die Erwachsene gleichermaßen faszinierten. Er entließ in diese Bücher all die Figuren und Fabelwesen, all die Lokomotivführer, Scheinriesen, Drachen und kindlichen Kaiserinnen, die sich in seinem Kopf herumtrieben. Es war eine außer Rand und Band geratene Phantasie, ein Reichtum an Ideen, der immer größer wurde, je näher man ihm kam. Birgit Dankert schildert diesen oft komplizierten Mann, der zwischen Bayern und Italien pendelte, zwischen Ehe- und anderen Frauen. Der in Japan neben Autoren wie Böll und Grass gestellt wurde, aber damit leben musste, dass Marcel Reich-Ranicki sein Werk „nicht bekannt“ war, wie der Großkritiker schrieb. Aber man wünschte, die Autorin hätte das manchmal weniger im Stil einer Seminararbeit getan. Kenntlich wird er aber dennoch. int

Michael Ende — Gefangen in Phantásien von Birgit Dankert. L. Schneider Verlag, 312 Seiten, 24,95 Euro

LN

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