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Kultur im Norden Der Verstorbene war anwesend
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18:31 15.04.2017

„Er saß auf einer Rauchwolke, die eben seiner Pfeife entronnen war...“ Die Schriftstellerin Dagmar Leupold besuchte „G. G.“ im Himmel und ließ sich von ihm über die Spezifika von Sprache belehren. Leupolds poetischer Vortrag bildet das Ende der „Langen Nacht für Günter Grass“ im Grass-Haus, und der Geist des Alten aus Behlendorf war zu diesem Zeitpunkt schon so intensiv beschworen worden, dass er fast körperlich anwesend zu sein schien. Es war der zweite Todestag des Literaturnobelpreisträgers und das zweite Mal, dass Zeitgenossen, die Grass' Weg irgendwann gekreuzt hatten, Zeugnis ablegten von Aufeinandertreffen mit dem Schriftsteller.

Fridolin Schley referierte über W.G. Sebalds Grass-Polemiken.

Museumsleiter Jörg-Philipp Thomsa hatte zu Beginn die Intention des Treffens noch einmal erklärt: Als Grass am 13. April 2015 gestorben war, hätten die Medien jede Menge Persönlichkeiten zu Wort kommen lassen, die kaum etwas mit ihm zu tun gehabt hätten. „Wir aber wollen Menschen einladen, die von Begegnungen berichten können – und sei es, dass sie mit ihm über Fußball geredet haben.“

Von Fußball war dann weniger die Rede. Der Autor Fridolin Schley, Experte für den Schriftsteller W.G. Sebald und wie Leupold Mitglied des Lübecker Literaturtreffens, hielt einen akademischen Vortrag über Sebalds Polemiken gegen Grass und strapazierte gleich zu Beginn die Aufnahmefähigkeit des Publikums. Jürgen Fitschen, ehemaliger Leiter des Landesmuseums Schloss Gottorf, berichtete frei und etwas ungerichtet darüber, dass Grass ihn gelehrt habe, dass in der Kunst auch Gegenständlichkeit Abstraktion sei. Die Filmemacherin Sigrun Matthisen hatte bei den Aufnahmen für ein Fernsehporträt in Grass' Atelier die Stille entdeckt – sie zeigte einige erstaunliche Ausschnitte. Radiomann Kai Schlüter führte einen späten Fund von Tonbandmittschnitten eines Grass-Auftritts in Hannover vor, und Johanno Strasser berichtet von seiner Tätigkeit als Redakteur der von Grass und Böll in den 1980er Jahren herausgegebenen Zeitschrift „L '80“. Er hatte Wohnrecht in Grass’ Berliner Haus. Er trug auch ein Gedicht für den Übervater vor, dessen Ende für den ganzen Abend, der von Grass' Sohn Bruno und Grass-Witwe Ute geadelt wurde, stehen könnte: „Wohin wir auch kommen, du bist schon da.“

mib

LN

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