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Kultur im Norden Der Zauberflöter aus Graubünden
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18:13 23.08.2017

Die Blockflöte hat ein eher biederes Image als Instrument für Grundschüler und ewige Wandervögel. Das stellte sich in der Barockzeit völlig anders dar, als die größten Komponisten für die Blockflöte schrieben. Maurice Steger, aus Graubünden in der Schweiz stammender Blockflötist, hat sich der barocken Musik für die Blockflöte angenommen – mit unerhörtem internationalen Erfolg. Warum das so ist, wurde beim Konzert in der St. Nikolai-Kirche in Burg auf Fehmarn deutlich.

Man hat Maurice Steger auch den „Paganini der Blockflöte“ genannt – zu hoch gegriffen ist diese Bezeichnung sicherlich nicht. Denn was der Schweizer auf seinen Instrumenten an Klängen produziert, ist in seiner Virtuosität kaum noch zu überbieten. Technisch spielt Steger in der Tradition des niederländischen Großmeisters Frans Brüggen, der die Renaissance der Blockflöte in den 1950er Jahren eingeleitet hat. Steger spielt mit langem Atem, seine Tongebung ist überaus vielfältig, die Klangfarben überraschen immer wieder. Die barocke Musik von Komponisten wie Jacques Hotteterre oder Jean-Antoine Des Planes ließ den Interpreten viel Freiraum für Improvisationen und Verzierungen. Maurice Steger nutzt diesen Raum geradezu exzessiv, seine Verzierungskunst erinnert tatsächlich an Niccolò Paganinis Geigen-Abenteuer.

Dabei spielt Steger fast vibratofrei, die ewige Streitfrage, ob Barockmusik mit oder ohne Vibrato gespielt werden soll, hat er für sich klar entschieden. In dem Cembalisten Diego Ares hat der Flötist zudem einen Partner, der auf jede Anregung Stegers eingeht und auch als Solist sein großes Können unter Beweis stellt.

In dem im ersten Teil rein französischen Programm – eine Hommage an den Porträt-Komponisten Maurice Ravel – boten Steger und Ares einen wunderbaren Überblick über die Flötenmusik des Früh- und Hochbarock. Dass die Blockflöte in ihrem Klang der menschlichen Stimme sehr nahe kommen kann, wurde ebenso deutlich wie die Ausdruckskraft, die diesem Instrument innewohnt – wenn es so virtuos gespielt wird wie an diesem Abend. Schnelle Tempi liegen Maurice Steger, so dass manchem Zuhörer vielleicht ein wenig Innigkeit fehlte. Aber das wurde durch die Fingerfertigkeit und die Fantasie des Solisten mehr als nur ausgeglichen. Das Publikum, das leider immer wieder zwischen den Sätzen applaudierte, war begeistert und erjubelte sich eine Zugabe. Musik von Corelli erklang also zum Abschluss – einfach nur wunderbar. Jürgen Feldhoff

LN

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