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20:31 23.10.2013
Dorothea Beck, Biografin Julius Lebers, und Björn Engholm vor einem Porträt von Willy Brandt. Quelle: Lutz Roeßler

Julius Leber (1891-1945) gehört zu den großen Gestalten der Lübecker Sozialdemokratie. Insofern war es gerechtfertigt, den langjährigen Bürgerschafts- und Reichstagsabgeordneten zum Beginn einer neuen Veranstaltungsreihe des Willy-Brandt-Hauses zu würdigen. Die Reihe trägt den sperrigen Titel „Das Politische im Denken großer Lübecker“ — das hätte man auch einfacher formulieren können. Aber dieser sprachliche Lapsus ändert nichts am Wert dieser Reihe, wie sich schon am ersten Abend zeigte.

Dorothea Beck, Biografin Julius Lebers, zeichnete in ihrem Referat Leben und politische Entwicklung des Politikers nach. Geboren als uneheliches Kind in einem Dorf im Oberelsass, Schulbesuch in Breisach bis zur Mittleren Reife, kaufmännische Lehre, dann wieder Schule bis zum Abitur, Studium der Volkswirtschaft — und dann der Erste Weltkrieg. Julius Leber meldete sich 1914 freiwillig, avancierte 1915 zum Leutnant und machte den Krieg bis zum Ende mit. Bis 1920 blieb er bei der Reichswehr im Grenzschutz Ost, mit seiner Einheit stellte er sich gegen Truppen, die den rechtsradikalen Kapp-Putsch 1920 unterstützten. In diesem Jahr trat Leber in die SPD ein, 1921 wurde er zum Chefredakteur des „Lübecker Volksboten“ berufen. Von 1921 bis 1933 war Julius Leber Mitglied der Lübecker Bürgerschaft und — wie Björn Engholm in der anschließenden Diskussion anmerkte — die „Lichtgestalt“ der Lübecker SPD. Auch für den jungen Willy Brandt, der bereits als Schüler Artikel für den „Volksboten“ schrieb. Zum Bruch zwischen Leber und Brandt kam es, als der jüngere sich der linken Abspaltung der SPD, der Sozialistischen Arbeiterpartei, anschloss.

Dorothea Beck schilderte die Entwicklung des politischen Denkens Julius Lebers als Geschichte einer erstaunlichen Wandlung. Vom dogmatischen Marxisten mutierte Leber im Laufe der Jahre zum politischen Pragmatiker, der sich einen starken Staat und charismatische Führerpersönlichkeiten wünschte — die er in der SPD vermisste.

Nach der Machtübernahme durch die NSDAP wurde er nach einer Schlägerei in Lübeck, bei der ein SA-Mann zu Tode kam, zu Gefängnis verurteilt, bis 1937 wurde er in verschiedenen Konzentrationslagern in „Schutzhaft“ gehalten.

Julius Leber wandte sich dennoch dem Widerstand gegen das NS-Regime zu, vor allem zum späteren Hitler-Attentäter Claus von Stauffenberg entwickelte sich ein enges Verhältnis. Nach Kontaktaufnahme zu Kommunisten wurde Julius Leber 1944 zum Tode verurteilt und 1945 gehängt. Fel

„Für eine gute und gerechte Sache ist der Einsatz des eigenen Lebens der angemessene Preis.“
Julius Leber

LN

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