Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Der gar nicht so harmlose Nachwuchs
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Der gar nicht so harmlose Nachwuchs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:33 04.04.2016
Geht offen mit seinem Drogenkonsum um: Sänger Matthew Healy (27). Quelle: dpa
Anzeige
Hamburg

. Eigentlich ist Matthew Healy, Sänger, Texter und Gitarrist der britischen Band The 1975, der klassische Anti-Popstar. Unscheinbar wirkt der 27- Jährige in seinem tarnfarbenen Pulli, als er in Hamburg zum Gespräch mit Journalisten antritt. Das Gesicht versteckt er hinter dunklen Locken. „Ich betrachte mich als sehr merkwürdige Person, die für andere merkwürdige Personen Musik macht“, sagt der Sohn einer britischen Schauspielerfamilie.

Abends scheint der Frontmann dann wie ausgewechselt, als er mit der Band unter Jubel die Bühne in der Alsterdorfer Sporthalle betritt. Er tanzt und taumelt hinter dem Mikro und schwingt die Hände zu großen Gesten auf. Dazu ertönt der neue Song „Love Me“, der mit seinen funkigen Gitarren an „Fame“ von David Bowie erinnert.

4000 meist sehr junge Menschen hängen dem Frontmann an den Lippen, als er in dem Lied die Selfie-Kultur und die Negativseiten des Ruhms anprangert. Denn Ruhm haben die vier jungen Männer aus Manchester derzeit jede Menge: Gleich in sechs Ländern landeten sie mit ihrem zweiten Album auf der Pole-Position der Charts, auch in Großbritannien, Australien und die USA. Dort konnte das Quartett sogar einen Rekord für sich verbuchen: „I Like It When You Sleep, For You Are So Beautiful Yet So Unaware Of It“ ist das Album mit dem längsten Titel, das jemals die US-Billboard-Top- 200 anführte.

Der Erfolg der Briten ist überraschend. Denn sie passen sich nicht dem Mainstream an. Ihr neues Album flirtet mit so vielen Genres und Stilen, dass ihre Musik nur schwer ein zuordnen ist. Von Synthiepop bis Jazz ist alles dabei. „Wir sind keine Puristen und kennen keine Genre-Grenzen“, sagt Healy. Live wirken ihre Lieder allerdings wie aus einem Guss .

Achtziger-Synthesizer-Sounds von zwei Keyboardern sorgen für den roten Faden. Unterstützt werden sie bei ihrem Auftritt von einer Saxophonistin, der sie im Song „Me“ ein minutenlanges Solo gewähren. Das freut dann auch die älteren Semester. Die Musik von The 1975 hat auch etwas herrlich Nostalgisches — obwohl der Bandname nichts mit dem entsprechenden Jahr zu tun hat, sondern mit einem skurrilen literarischen Fund.

Und doch sind The 1975 nicht ganz so harmlos, wie es das Konzert vermuten lässt. In den Songtexten geht Healy gnadenlos offen mit seiner Drogensucht, mit Depressionen und seinem Sexleben um, was die Jungspunde im prüden Amerika nicht unbedingt zu Lieblingsschwiegersöhnen macht. „Die Leute werfen mir vor, dass ich Drogen romantisiere — aber das ist lächerlich“, findet Healy, der sich offen zum Kokain-Konsum bekennt. „Ich bin nicht stolz darauf, ich thematisiere es, weil es Katharsis für mich bedeutet.“

Von Katja Schwemmers

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Deutsche Streicherphilharmonie, ein Spitzenensemble der Musikschulen, gab in Lübeck seine Visitenkarte ab.

04.04.2016

120 Exponate aus dem Hamburger Haushalt des Schriftstellers wurden am Wochenende im dänischen Apenrade versteigert.

04.04.2016

Die berühmte Lascaux-Höhle in Südwestfrankreich wird nachgebaut: Erstmals wird die ganze Grotte mit allen Malereien reproduziert. Mitte Dezember soll sie eröffnet werden.

04.04.2016
Anzeige